One beer, two glasses.

Zurück von unserem dreitägigen Berliner Impfbesuch mussten wir in Tiflis erstmal wieder mit der Hitze klarkommen. Es war Mitte August 2021 und damit sicherlich die heißeste Zeit des Jahres in der Hauptstadt Georgiens. Also schnell raus aus der Stadt, ein paar Hundert Höhenmeter hinauf und in den Nationalpark Tiflis hinein. Wir blieben für Marcos Arbeitstage auf einem grünen Fleckchen neben einer Wasserquelle und einem niedlichen Holzhäuschen, wo wir an den Abenden frischgezapftes Bier und Grillspieße genossen. Selbst gekocht haben wir in den kommenden Tagen das georgische „Adjapsandali“ – eine Gemüsepfanne mit frischen Kräutern. Ein tierisches Highlight von unserem schönen Stellplatz: Nebenan gab es ein Bären-Gehege, das sich um gerettete Bären kümmert, die in der freien Wildbahn nicht mehr überleben könnten (weil sie beispielsweise aufgrund ihrer Vorgeschichte zu sehr an den Menschen gewöhnt waren). 

Etwas zu chaotisch und zu spontan ging unsere Reise weiter Richtung Nationalpark Tusheti. Wir stellten fest, dass wir an unserer gemeinsamen Reiseplanung noch arbeiten müssen. Es war schließlich die „most dangerous road in Georgia“, die uns als Pass-Straße bevorstand und die sollten wir nicht komplett unvorbereitet in Angriff nehmen. Wir fragten also bei den Einheimischen rum, ob die Straße zurzeit generell – und insbesondere mit unserem Fahrzeug ohne Allradantrieb – befahrbar wäre und ein paar hilfsbereite Jungs in Alvani erklärten uns „sometimes there are sheeps“ und „you should not drive drunk“. Da das Wetter weiterhin trocken und gut bleiben sollte, wagten wir es und starteten am nächsten Morgen los. Aus der Fahrt wurde eine Tagesaktion: Wir fuhren 80km über den Abano Pass (auf ca. 2900 Höhenmeter) von Pshaveli nach Omalo in 8 Stunden. Nach anfänglicher Aufregung und abenteuerlichen Abschnitten war die Strecke nach dem ersten Drittel erstaunlich leicht zu fahren und die Bergstraße war unserer Meinung nach in einem bemerkenswert guten Zustand. Da waren wir ganz andere Pisten gewöhnt. Dennoch war uns bewusst, dass ein Wetterumschwung die Straßenverhältnisse schnell verschlechtern könnte und tatsächlich hörten wir von anderen Reisenden ein paar Wochen später, dass ein Sturm im Oktober kilometerlange Passagen der Straße weggewaschen hatte. Das zeigt einmal mehr wie wichtig es ist, solche Strecken nicht einfach unbedacht zu befahren.

In Omalo angekommen blieb die Zeit für uns stehen. Okay, unser Fahrzeug blieb auch erstmal stehen, denn ganz unbeschadet hatte Waldrian die Passfahrt doch nicht überstanden und wir lernten die Dorfbewohner (und ihre Werkzeugkästen) in den ersten Tagen durch ihre tolle Hilfsbereitschaft beim Tausch unseres Motorlagers kennen. Es folgten zwei wunderschöne Wochen mit purer Bergdorfromantik. Ein Highlight in der ersten Woche war das Pferdereiten zum Oreti Lake. Wir ritten 6 Stunden lang (es waren insgesamt 24 Kilometer) auf dem Pferderücken durch steilen Wald und sanfte Wiesen. Ich glaube, unser Muskelkater war beinahe eine Woche lang zu spüren.

In der zweiten Woche fühlten wir uns im Dorf schon wie zu Hause, holten alle paar Tage unser Brot und etwas Käse auf den benachbarten Höfen, gingen in unserem Stamm-Gasthaus ein uns aus (abends bestellten wir standardmäßig zwei Teller Suppe und „one beer, two glasses“) und schafften es dann irgendwann sogar mal zu den historischen Wachtürmen hochzuwandern. Eine weitere Wanderung ins Nachbardorf Shenako machte zwar Lust auf mehr, doch Marcos Fuß war noch nicht stabil genug für eine Mehrtagestour (die wir jedem anderen ans Herz legen würden, denn der Nationalpark ist wirklich traumhaft schön und würde sich für ein mehrtägiges Trekking von Dorf zu Dorf wunderbar anbieten). Auf dem Rückweg über den Abano Pass hielten wir für eine Nacht bei der Torgva Heilquelle, vor der uns eine Frau im entgegenkommenden Auto zwar deutlich abriet („it’s dirty and there are strange people“), was uns jedoch nicht davon abhielt, dort trotzdem ein Bad zu nehmen. Die „strange people“ stellten sich schließlich als nette Opas heraus, die mit ihrem Auto dort steckengeblieben sind und denen wir am nächsten Morgen mit Abschleppseil eine kleine Starthilfe gaben.

Endlich hatten wir vollständigen Impfschutz und fühlten uns sicher genug, uns ins Hauptstadtgetümmel von Tiflis zu wagen. Die Lobby vom Fabrika-Hostel wurde unser zweites Zuhause (schon verrückt, wie durch die Reise das Wort „Zuhause“ für mich eine ganz neue Bedeutung bekommen hat), wir schnorrten uns eine Dusche und gönnten uns mehrere Abende hintereinander leckeres Essen im belebten Innenhof. Nur die Nächte im Bus an der (ebenfalls belebten) Straße habe ich immer noch laut und sehr heiß in Erinnerung. Das war wohl der Grund, warum wir beschlossen, den Rest der Stadt erst ein paar Wochen später weiterzuerkunden. Und so brachen wir Anfang September 2021 erneut in Richtung Berge auf.

Georgian Airways

Unsere Flüge nach Berlin waren gebucht. Mit Schmetterlingen im Bauch, aber auch mit ein klein bisschen Bauchschmerzen habe ich versucht mir vorzustellen wie unsere Rückkehr nach Deutschland werden würde. Nein, wir haben natürlich nicht unsere Reise abgebrochen. Und ja, es sollten nur ein paar Tage temporäre Heimreise sein. Einmal impfen und zurück. Nichts dramatisches. Trotzdem tobten meine Gefühle wie eine Achterbahn. Es war Ende Juli 2021 und wir „überbrückten“ die Woche vor dem Flug mit einer Fahrt über die georgische Heerstraße nach Stepanzminda (auf meinen Wunsch hin – warum das erwähnenswert ist, wird im Laufe des Artikels deutlich). Am Zhinvali Stausee machten wir einen kurzen Halt, um den traumhaften Sonnenuntergang zu würdigen. Aus dem benachbarten Auto klang laute Musik, die beiden betrunkenen und äußerst gut gelaunten Autoinsassen torkelten zu uns rüber und schenkten uns eine 2 Liter Flasche Fanta mit abgefülltem Chacha (selbstgebrannter Tresterschnaps) – anscheindend das Nationalgetränk Georgiens und nicht der letzte Schnaps, den wir noch geschenkt bekommen sollten. Wir fuhren (natürlich nüchtern) zu unserem nächtlichen Stellplatz etwas weiter nördlich am Fluss und setzten die Fahrt am nächsten Tag fort. Das Russisch-Georgische-Freundschaftsdenkmal passierten wir im dichten Nebel und auch die Arbeitstage von Marco verbrachten wir hauptsächlich bei Nebel und Regen auf einer Bergwiese nahe der Passhöhe vom Kreuzpass. Einmal hagelte es sogar. Die Tiere um uns herum bereiteten mir trotzdem viel Freude.

Als hätte das Wetter die Uhr für uns gestellt, klarte der Himmel am Dienstag pünktlich zum Feierabend kurz auf und wir nutzten unsere Chance, die paar Kilometer zum Denkmal zurückzufahren. Endlich konnten wir einen Blick auf das beeindruckende Bergpanorama um uns herum werfen und ein Fleckchen blauen Himmel genießen. Weiter ging es noch am gleichen Abend Richtung Truso Schlucht. Ich sag mal so, die Fahrt war abenteuerlich, aber wunderschön.

Auch im Truso Tal war es nass und feucht, doch wir ließen uns nicht aufhalten und wanderten mit Regensachen im Gepäck los (die wir kurz darauf auch schon wieder auspacken und anziehen mussten). Natürlich kamen wir klitschnass am Bus zurück, doch die Wanderung war alle Strapazen wert. Mit ihren sanften Hügeln, dem reißenden Fluss, den gelb- und rotgefärbten Schwefelquellen und dem kalt-sprudelnden Mineralsee ist die Schlucht einfach spektakulär anzusehen. Dank Heizung im Bus gelang es uns die Kleidung (und uns selbst) auch einigermaßen wieder trocken zu kriegen. 

Wieder auf der Hauptstraße angekommen, verging die restliche Fahrt nach Stepanzminda relativ zügig. Unseren Versuch über die Offroad-Strecke hoch zur Dreifaltigkeitskirche zu kommen mussten wir jedoch abbrechen (ich legte an einer besonders steilen und rutschigen Stelle mein Veto ein) und Marco war den Rest des Abends damit beschäftigt einen besonders hartnäckigen Stein aus unseren Zwillingsreifen herauszuoperieren. Ich hatte vom Wandern noch nicht genug und weckte Marco morgens um 6 Uhr, weil gegen Mittag schon wieder Regen angesagt war und der Kazbek zur frühen Stunde auch einfach toll von der Morgensonne angestrahlt wurde. Oben angekommen zog das Wetter bereits langsam wieder zu und „Georgiens beliebtestes Fotomotiv“ (die Kirche vor dem Berg) sah gar nicht so eindrucksvoll aus. An der Kirche selbst trübten die vielen Selfie-machenden Touristen (die sich overdressed mit dem Offroad-Taxi hochfahren ließen) und eine surrende Drohne das Bild. Doch immerhin lohnte sich ein Blick in die Kirche, denn dort fand gerade eine Zeremonie mit Gesang bei Kerzenschein statt. Von Marco musste ich mir die nächsten Tage ein mehrfaches „Hab-ich’s-doch-gesagt“ anhören und weitere Diskussionen über den Sinn und Unsinn, touristische Orte auf unserer Reise anzusteuern, folgten.

Auf dem Rückweg Richtung Tiflis hielten wir am Bazaleti See, wo wir eine große Aussortieraktion machten. Das bedeutete: Einmal den kompletten Bus ausräumen und nur die Sachen wieder einräumen, die wir auf der Reise behalten wollten. Der Rest wurde entweder entsorgt, verschenkt oder in einer Tasche verstaut, die im Flugzeug mit nach Berlin reisen durfte. In Tiflis drehten wir eine Auscheckrunde um den Flughafen. Über mehrere Ecken hatten wir zwar auch das ganz liebe Angebot bekommen, unseren Bus auf einem Privatgelände in der Stadt zu parken. Doch der überwachte Bezahlparkplatz direkt am Flughafen machte so einen sicheren Eindruck auf uns, dass wir uns trauten, Waldrian dort für drei Tage allein stehen zu lassen. Die letzten Tage vor Abflug (inklusive Marcos Arbeitstage) verbrachten wir „hinter den Kulissen“ – so nannte ich liebevoll die geteerte Fläche hinter einer Kunstinstallation, die von Fahranfängern für Autofahr- und Einparkübungen genutzt wurde. Einmal glaubten wir ein Kind am Steuer sitzen zu sehen. Manchmal drehte auf dem Platz auch ein Jogger seine Runden, der einen an einer Kette befestigten Autoreifen hinter sich herzog. Ein skurriles Bild. 

Dann war es soweit. Wir flogen tatsächlich nach Berlin, hetzten mal eben kurz innerhalb von drei Tagen von Termin zu Termin. Arztbesuche, Corona-Impfung (um die es ja primär ging), diverse Einkäufe (von Dingen, an die wir im Ausland nicht rankommen), Marco lernte seine Arbeitskollegen persönlich kennen … und neben dem Notwendigen noch das Wichtigste: Freunde und Familie treffen!!! Was soll ich sagen, es war wunderschön und viel zu kurz, aber wir haben es so gewollt. Es sollte bewusst nur einen gefühlten Herzschlag lang dauern, denn sonst hätte uns das Heimweh vermutlich viel zu doll gepackt und so fühlte sich das kurze Wiedersehen mit unseren Liebsten einfach nur an wie ein schöner Traum. 

Georgische Gastfreundschaft

Die Einreise nach Georgien war Mitte Juli 2021 ein kleiner Kulturschock. Wir sind zwar nur zwei Wochen in der Türkei gewesen, doch trotzdem war es merkwürdig auf einmal wieder freizügig gekleidete Strandtouristen zu sehen und überall Bier bestellen zu können. Gut für uns! Und: Genau diese Kontraste machen den Reiz des Reisens aus. Nach der Grenzkontrolle fuhren wir ziemlich direkt nach Batumi, um die üblichen organisatorischen Notwendigkeiten zu erledigen – was primär bedeutete, Bargeld in der Landeswährung abzuheben und auf Internetsuche zu gehen (was sich ohne Internet gar nicht so einfach gestaltete). Nach einigem Hin und Her sind wir dann an eine günstige SIM Karte gekommen und haben unseren finalen Stellplatz in einer Wohngegend gefunden, wo wir auch unser erstes georgisches Restaurant besuchten, das in den folgenden Tagen unser Stammlokal wurde. Wir machten uns kurz darauf den guten Vorsatz, dass wir mal eine Woche lang kein Fleisch und kein Brot essen würden. Dies in Georgien umzusetzen war jedoch schwieriger als erwartet (um nicht zu sagen unmöglich) und so gaben wir diese Regelung am dritten oder vierten Tag bereits wieder auf. Gearbeitet wurde bei der Hitze in einem klimatisierten Coworking-Space. In Batumi ließen wir außerdem Marcos Fahrrad reparieren, gingen mit Marcos Fußproblem zu einem russischen Arzt (Zitat am Ende der Behandlung: „Sie können mir vertrauen, ich habe den höchsten Abschluss in Moskau gemacht.“) und besorgten uns eine Gasflasche plus Adapter (klingt nebensächlich, doch die gesamte Gassuchaktion nahm mehrere Tage in Anspruch). Während dieser Zeit machten wir nette Bekanntschaften mit Einheimischen, wurden von einem Georgier namens Armin zum Tee eingeladen und bekamen von unserer neuen Freundin Rosa Kaffee und Schokolade zum Bus gebracht. Die Verständigung klappte dank Google Translate (Deutsch <> Russisch) ganz gut, auch wenn bei der Übersetzung manchmal sehr wilde Sachen rauskamen. 

Unser erstes Natur-Highlight in Georgien war eine lustige und holprige Fahrt über den Goderdzi Pass, der Batumi mit Akhaltsikhe verbindet. Für die 60 Kilometer lange Strecke benötigten wir 6 Stunden, ich glaube das sagt alles. Zum Glück gab es unterwegs kleine Holzhütten, die unter anderem Tklapi als Wegeproviant verkauften (das ist „Fruchtleder“ aus Tkemali-Pflaumen und erinnert an lappenförmiges Fruchtgummi). Auf der Passhöhe von 2.025 Metern wehte ein erfrischender, kühler Wind und wir zelebrierten das herzhafte Essen im Restaurant „Edelweiss“, zu dem wir nach einem herzlichen Gespräch mit Givi (ein junger Mann aus Tiflis, der uns viele tolle Tipps gegeben hat) sogar eingeladen worden sind. Wahnsinn, wie lieb ist das denn?! Wir sind von der Gastfreundschaft der Georgier einfach nur überwältigt! Am nächsten Morgen bekamen wir noch Besuch von zwei Dorfjungen, die interessiert in unseren Bus reinguckten. Marcos Mess-Schieber lag gerade rum und er zeigte den beiden am Beispiel einer Haarsträhne dessen Funktion, was für allgemeine Erheiterung sorgte. Es sind oftmals die kleinen Dinge, die unseren Alltag am meisten bereichern.

Die Fahrt ging weiter nach Abastumani, einem Kurort mit warmer Thermalquelle und Bergobservatorium, der uns von Givi empfohlen worden ist. Dort trafen wir auf Georgi und Georgi (ungefähr ein Drittel der männlichen Georgier trägt diesen Namen), mit denen wir im Ortskern ein bisschen quatschten. Abends besuchten wir das Thermalbad und morgens machten wir uns mit einem frischen Brot auf den Weg nach Sairme. Dieser führte uns erneut über eine Pass-Straße. Diesmal ging es noch höher hinaus und wir überquerten mit 2.182 Metern Höhe den Zekari Pass im kleinen Kaukasus. Unterwegs erhielten wir beim Pausemachen neben einer Berghütte prompt die Einladung zu Kaffee und Käsebrot von der dort im Sommer lebenden Familie. Der frisch hergestellte Sulguni-Käse war ein Delikatesse. Bei der Weiterfahrt durch die Berglandschaft konnten wir am Straßenrand einen kurzen Blick auf einen Bärenhintern erhaschen (der dazugehörige Bär verschwand ziemlich schnell im Gebüsch). Was für ein schöner Tag.

Die Woche neigte sich dem Ende und die nächsten Arbeitstage standen an. Wir richteten für Marco am Tkubuli Reservoir unter einem schattenspendenden Baum ein Outdoor-Office ein. Seine neuen Arbeitskollegen: Eine Herde Kühe, die uns jeden Tag zur gleichen Zeit unter dem Bäumchen Gesellschaft leisteten. Der See war leider nicht zum Baden geeignet (wirklich schade angesichts der heißen Temperaturen), aber wir hatten viel Spaß beim Beobachten von Kröten, Schweinen, Hunden und Pferden. Ansonsten war es angenehm ruhig, nur die Kuhrufe am Morgen erinnerten an Dinosauriergebrüll. Am zweiten Arbeitstag bekamen wir Stellplatz-Nachbarn. Wolfgang und Brigitta waren die ersten deutschen Overlander, die uns in Georgien begegneten und es war toll sich ein wenig auszutauschen (noch dazu bei leckerer, kalter Wassermelone). 

Wie beeinflusst Marcos Arbeit eigentlich unsere Reise? Anfangs mussten wir noch relativ viel Zeit investieren, um wöchentlich am Sonntag einen geeigneten Arbeitsplatz für Montag und Dienstag zu finden. Manchmal ging der halbe (oder ganze) Sonntag dafür drauf, doch mittlerweile sind wir ganz gut eingespielt und wissen worauf es uns ankommt. In Georgien kam dann eine neue Situation auf uns zu: Eine Arbeitskollegin aus Berlin wollte nach Tiflis fliegen, um Freunde zu besuchen. Das war auf der einen Seite eine gute Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen – schließlich hat Marco den Job angenommen als wir schon auf der Reise waren, somit kannte er die Gesichter seiner Kollegen bis dato nur über Videocalls. Auf der anderen Seite hatte ein Treffen in Tiflis auch praktische Gründe, denn Marco benötigte von seinem Arbeitgeber einen Laptop (sein privater Rechner fiel in Batumi leider einem Regenschauer zum Opfer). Also planten wir zur gleichen Zeit wie Marcos Arbeitskollegin in Tiflis zu sein. Für schnelle Autos wäre die Strecke kein Problem und innerhalb weniger Stunden zu meistern. Bei unserem lahmen Tempo bedeutete es aber immerhin, dass wir zwei bis drei volle Fahrtage einberechnen mussten. So düsten wir für das Treffen mal eben schnell durch halb Georgien. Nichts hielt uns auf, noch nicht einmal eine wilde Flussdurchfahrt, für die ich bis zu den Unterschenkeln ins Wasser gestampft bin. Kurz vor Tiflis legten wir in Mzcheta eine notwendige Übernachtung ein (ja, manchmal sind Fahrtage stressig, anstrengend und ermüdend). Bei der Platzsuche gerieten wir in Streit (ja, auch das gehört zum Busleben dazu) und entschieden uns schließlich für einen Bezahlparkplatz im Ortszentrum. Die gute Nachricht: Der Parkplatz hatte eine Grube und somit konnte Marco bequem den Fahrzeug-Service machen, während ich unseren neu erworbenen Liegestuhl einweihte. An einem Süßigkeitenstand vor der Swetizchoweli-Kathedrale probierten wir zum ersten Mal die leckeren Churchkhela: Das sind mit angedicktem Traubensaft überzogene Walnüsse-Trockenobst-Ketten. Der Verkäufer war so lieb und hat uns nebenan einen Blick in seine Küche werfen lassen, wo ich eine der Ketten selbst eintauchen durfte.

Endlich hatten wir nach mehrtägigem Fahrstress unser Ziel – die Hauptstadt Georgiens – erreicht und gönnten uns im Tiflis-See ein erfrischendes Bad. Eine Verabredung mit der Mutter eines georgischen Freundes aus Deutschland stand für die kommende Woche in Tiflis auch schon fest. Da ereilten uns gleich mehrere schlechte Nachrichten: 1) Die Arbeitskollegin musste ihren Flug stornieren, weil ihr Kumpel an Covid-19 erkrankt ist. 2) Georgien wurde zum Hochinzidenzgebiet erklärt. 3) Die Corona-Zahlen insbesondere in Tiflis sind in den vergangenen Tagen extrem in die Höhe geschossen. Mit diesen Nachrichten wurden wir unsanft in die Realität katapultiert. Bisher konnten wir der Pandemie auf der Reise geschickt aus dem Weg gehen, verbringen wir doch die meiste Zeit in unseren rollenden vier Wänden unter freiem Himmel. Nun zwangen uns die Umstände eine Planänderung auf: Leider doch keine Treffen in Tiflis. Weg aus der Stadt, wieder rein in die Natur. Zumindest solange wir noch keinen vollständigen Impfschutz hatten. Die Verabredung mit der Mutter meines Kumpels konnten wir glücklicherweise zu ihrem Garten außerorts verlegen und es entwickelte sich ein richtig schöner Nachmittag daraus (vielen Dank für das leckere Essen!). Ja, auch das ist Reisen. Immer flexibel bleiben. Nicht darüber ärgern, wenn Pläne nicht klappen. Stattdessen dankbar sein für das, was sich aus der neuen Situation ergibt. Denn eines ist sicher: Irgendwas passiert immer!

Eins, zwei, Türkei.

Wir stehen am Mittwoch den 24.06.2021 an der Grenze zur Türkei. Vor so ziemlich genau einem Jahr haben wir Deutschland verlassen und sind über Schweiz, Italien, Slowenien, Ungarn, Serbien und Bulgarien nach Griechenland gefahren. Da wir von diesen 12 Monaten allein 8 Monate in Griechenland gelebt haben, ist es für uns in diesem Moment noch kaum vorstellbar, dass wir die Türkei innerhalb von 2-3 Wochen „mal eben schnell“ durchqueren werden, um die heißen Sommermonate in Georgien zu verbringen.

Was uns in der Türkei zuallererst auffiel, sind die nett hupenden Autofahrer. Es gibt das freundliche Hupen, um auf sich aufmerksam zu machen (beispielsweise bei einem Überholmanöver, wahlweise von rechts oder von links). Es gibt das freudige Hupen, um jemanden zu grüßen (meist ein Doppelhuper, der von dem anderen ebenfalls durch Doppelhupen beantwortet wird). Es gibt sogar das überschwängliche Hupen, aus dem Autofenster winkend und zum anderen Auto rüber rufend, dabei manchmal sogar aus dem Fenster lehnend (um sicherzugehen, dass der andere die Begrüßung mit Sicherheit mitbekommt). Nur ein einziges Mal wurden wir Zeuge vom bösen Hupen (in Deutschland wohlbekannt), das sogar uns galt, weil wir an einer Kreuzung verbotenerweise einen U-Turn machten, woraufhin gefühlt alle Autos an dieser Kreuzung ein Hupkonzert gegen uns eröffneten. Okay, vielleicht sogar zurecht. Unser erster Halt war ein Migros Supermarkt (den es übrigens auch in der Schweiz gibt). Direkt daneben besorgten wir uns in einem Vodafone Shop eine türkische SIM Karte, hebten Geld ab und kauften uns an einem Straßenstand von unseren ersten türkischen Lira ein extrem leckeres türkisches Eis. Ernsthaft, dieses Eis war so lecker, dass ich immer noch sehnsüchtig daran zurückdenke. Die Abkühlung vom Eis hielt leider nur kurz an (nicht so die schwülen Temperaturen, mit denen wir seit ein paar Tagen zu kämpfen hatten) und wir suchten uns ein schattiges Plätzchen in einem Waldstück zum Übernachten. Relativ zügig ging es am nächsten Tag weiter Richtung Istanbul. Ein Minibusfahrer überholte uns im Schneckentempo wild gestikulierend und blieb ein paar Hundert Meter weiter auf dem Standstreifen stehen. Vom ADAC, Auswärtigen Amt und Co. bekommt man ja ständig eingetrichtert, dass man im Straßenverkehr vor Trickbetrügern auf der Hut sein sollte, die dir Probleme an deinem Auto vorgaukeln, um dich dadurch abzulenken und ausrauben zu können. Mit dieser Warnung im Hinterkopf, aber auch weil ich seine Handzeichen nicht verstand, fuhr ich an ihm vorbei. An der nächsten Raststätte hielten wir für einen prüfenden Blick an, konnten jedoch nichts Auffälliges feststellen. Wir bekamen langsam Hunger und Marco lotste uns zu einem Restaurant, das ein echtes Flugzeug im angrenzenden Garten abgestellt hat. Noch vor dem Essen hatten wir sehr viel Spaß beim Besichtigen der „Köfte Airlines“. 

Ein ordentlicher Weltuntergangsschauer kühlte unseren Fahrtag ein wenig ab. Beim nächsten Tankstop nutzten wir die Möglichkeit, um auch unseren Reifendruck zu checken. Das war längst überfällig und als ich am Steuer darauf wartete, dass Marco vom Bezahlen zurückkam, machte mich ein netter Motorradfahrer auf den „low pressure“ unseres Vorderreifens aufmerksam. Da bei der Bezahlung etwas mit Marcos Karte nicht klappte, ging ich nochmal rein und bekam an der Kasse direkt Hilfe von einem wartenden Kunden. So viele zuvorkommende Menschen, wow. Am Luftdruckgerät stellte Marco schließlich fest, dass eines der Ventile an unseren hinteren Zwillingsreifen undicht war. Ach was, wollte uns das vielleicht der Minibusfahrer vorhin auf der Straße mitteilen?! Ich bekam direkt ein schlechtes Gewissen so misstrauisch gewesen zu sein. Unser zweiter Tag in der Türkei und wir sind schon auf so viele nette Menschen getroffen – wird Zeit auch die letzten Vorurteile abzulegen. Das Problem mit den Reifen konnten wir dann innerhalb von zwei Stunden bei einem 15 Kilometer entfernten Reifendienst beheben lassen. Die neuen Ventile hatten wir bereits dabei, nur den Wechsel hatten wir bis dahin noch vor uns hergeschoben. Schön, dass uns das Universum an diesem Tag einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben hat. Oder war es vielleicht eher ein freundliches Hupen?

Noch vor den Abendstunden erreichten wir Istanbul und ich war zum ersten Mal auf der Reise geflasht von der Skyline. Schon ein ziemlich berauschendes Gefühl, mit dem eigenen Fahrzeug in eine so große Stadt reinzufahren. Um dem Großstadtverkehr nicht länger als nötig ausgesetzt zu sein, steuerten wir auf direktem Weg einen Bezahlparkplatz an, den wir uns zuvor bereits rausgesucht hatten. Dank der günstigen Parkplatzgebühren wurde dieser Ort mitten in Istanbul für die kommende Woche unser Zuhause. Wir gewöhnten uns schnell an den Straßenlärm von gegenüber, an das Surren vom Stromgenenerator der Baustelle nebenan und an die Gebetsrufe der benachbarten Moschee um 4 Uhr nachts. Mit Ventilator im Dauerbetrieb war auch die Hitze einigermaßen auszuhalten. Die erste Runde durch die Stadtteile Galata (Fischwraps) und Besiktas (Biermeile) drehten wir mit den Fahrrädern bis ein platter Reifen uns einen Strich durch die Rechnung machte. Am Sonntag nutzten wir die Gunst der Stunde und machten mit Waldrian dann doch eine Stadtrundfahrt. Ein bisschen unfair war das schon, denn aufgrund der Corona Maßnahmen in der Türkei gab es zu dem Zeitpunkt sonntags für die Einheimischen eine Ausgangssperre – von der Touristen jedoch befreit waren. Da wir ohne vollständigen Impfschutz die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen wollten, betrachteten wir es als einmalige Chance, die Straßen Istanbuls bei geringem Verkehrsaufkommen befahren zu können. So fuhren wir in Eigenregie nach Ortaköy (Touri-Ecke), überquerten aufgrund einer falsch genommenen Ausfahrt gleich dreimal hintereinander die Bosporus Brücke (und reisten somit fröhlich zwischen Europa und Asien umher), erklommen den Camilca-Hügel auf der asiatischen Seite, verspeisten in Kadiköy (Studentenviertel) ein Dürüm, versuchten vergeblich auf die europäische Seite zurückzukommen (der Tunnel war für unsere Fahrzeughöhe zu niedrig und die Fähre fuhr nicht) und rollten schließlich mit größerem Umweg ein viertes Mal über die Bosporus-Brücke auf unseren Parkplatz „nach Hause“. 

Den Montag und Dienstag verbrachten wir im Coworking-Space CoBAC (dort war so wenig los, wir hatten eine Etage für uns alleine). Nach seinen Arbeitstagen konnte ich Marco überreden, doch noch einen Touri-Spaziergang auf dem Goldenen Horn mit mir zu machen, wo wir auf dem Großen Bazaar gleich mehreren Teppichverkäufern in die Fänge kamen (aber keinen Teppich kauften), die Hagia Sofia anschauten (ich von außen, Marco von innen), an die Türen der Zisterne klopften (leider hatte der versunkene Palast aufgrund von Corona geschlossen) und in einem Souvenirladen tatsächlich eine Lampe erwarben.

Anfang Juli verließen wir Istanbul. Es folgten ein paar Fahrtage, da wir Strecke machen wollten, um zeitnah Georgien zu erreichen. Meine Motivation war es, der Hitze zu entkommen. Marco hingegen hatte Sorge, dass die Landesgrenzen wieder schließen könnten. Der Weg führte hunderte Kilometer am Schwarzen Meer entlang. Besonders gefallen hat uns die Grillkultur der Türken. Häufig sahen wir große Wiesen mit schattigen Plätzen unter Bäumen, wo die Einheimischen sich versammelten, um BBQ zu machen. Manchmal mit selbst mitgebrachten Grills und Picknickdecken, oftmals gab es aber sogar überall auf der Wiese verteilt Tische, Bänke, kleine Pavillons und feste Steingrills. Mein tierisches Highlight war eine Bande kleiner Hundewelpen, die auf einem unserer Übernachtungsplätze unter einem Baumstammstapel zum Vorschein kamen. 

Marcos Arbeitstage verbrachten wir in Samsun und dann ging es auch schon weiter nach Trabzon, wo wir unseren PCR-Test für den Grenzübergang machten. Am Ende sind wir tatsächlich innerhalb von zwei Wochen durch die Türkei gedüst. Kurz vor Georgien hauten wir unsere letzten türkischen Lira in einem Minimarkt auf den Kopf und verließen die Türkei mit dem Gefühl, dass wir dieses wundervolle Land auf unserer Reise bestimmt noch ein weiteres Mal besuchen werden.

Goodbye, Greece!

Unsere Weltreise geht endlich weiter. Beinahe hätten wir nicht mehr daran geglaubt. Ganze acht Monate haben wir in Griechenland verbracht. Haben das Land geliebt und verflucht. Haben einen großen Teil der Corona-Krise in einsamen Buchten und an traumhaften Stränden verbracht. Haben dem Wetter getrotzt und jede einzelne Nacht in unserem Bus geschlafen. Dieser Blog-Beitrag wird der letzte aus Griechenland sein und ich bin mehr als gespannt in welchen Ländern dieser Welt wir die nächsten acht Monate (und mehr) herumfahren werden.

Auf dem Weg Richtung Norden wollten wir uns die Meteora Klöster nicht entgehen lassen. Wir hatten Touristenmassen erwartet, doch es war um die Felsformationen herum erstaunlich ruhig und wir begegneten nur wenigen Leuten. Da es Anfang Juni 2021 schon knackig heiß war, freuten wir uns auf einen Campingplatz mit Pool, in den wir sofort nach unserer Ankunft hinein hüpften und der uns auch am nächsten Tag nach einer langen Wanderung die perfekte Abkühlung bot. Die Klosterrunde um die Felsen von Meteora zählt definitiv zu meinen persönlichen Wander-Highlights aus Griechenland. 

Gut ausgepowert vom Wandern fuhren wir den Tag darauf bis nach Thessaloniki durch, wo wir uns auf unseren altbekannten Hafenplatz stellten. Nach ein paar Gläsern Weißwein im Hafenrestaurant schmiedeten wir Pläne für unsere Weiterreise. In Richtung Asien war zu dem Zeitpunkt die Türkei über den Landweg leider die einzige Option (alle anderen Länder waren aufgrund von Corona geschlossen) und ich hatte mal den Wunsch geäußert, den Hochsommer nicht in der Türkei verbringen zu „müssen“. Eigentlich wollten wir deshalb auch schon im April in die Türkei fahren, doch dann kam uns irgendwie die Sache mit dem Klettern „dazwischen“ – und jetzt hatten wir bereits Juni. Bei meiner Recherche nach Reiseländer-Alternativen stieß ich auf Kasachstan. Das sonst visumfrei zu bereisende Land hatte zwar seit der Pandemie die Visumfreiheit aufgehoben, doch falls wir ein Visum bekämen, dann könnten wir mit einem Transit durch Russland nach Kasachstan einreisen und würden somit einen gewaltigen Schritt weiter nach Osten kommen. Von meiner Idee total angetan plante Marco noch am selben Abend (halb betrunken) die darauf basierende Route bis in die Mongolei mit Überwinterung in Usbekistan. So schnell können Reisepläne wieder an Fahrt gewinnen. An den Arbeitstagen von Marco (zwecks Internetverbindung mussten wir auf den IKEA Parkplatz wechseln) kümmerten wir uns nebenbei um diverse Visumsanfragen und waren schon ganz aufgeregt. Die Ernüchterung folgte als wir von mehreren Stellen die Absage erhielten. Kasachstan würde bis zum Ende des Jahres keine Touristenvisa erteilen. Mist, da hatten wir uns wohl zu früh gefreut, wie schade. Trotzdem war es sehr schön festzustellen, dass unsere Reiselust nicht verflogen war und dass wir – sobald sich Möglichkeiten öffnen – sehr schnell in der Lage waren zu planen und alles Notwendige zu organisieren. Und immerhin: Bei unserer Kasachstan-Recherche fanden wir heraus, dass Georgien seine Grenzen auf dem Landweg ein paar Tage zuvor seit über einem Jahr endlich wieder geöffnet hat. Also neuer Plan: Durch die Türkei ab nach Georgien (und da sind wir inzwischen auch gelandet)! Passend zu dem Reisechaos ist übrigens auch noch unser Wasserhahn undicht geworden und die Wasserleitungen haben sich aufgebläht, weshalb unser Bus mehrere Tage lang einer Baustelle glich, bis wir alle Teile für die Neuinstallation zusammen hatten. Wenn Chaos, dann richtig.

Es vergingen noch etliche Tage in Thessaloniki mit mehreren Besuchen im Wasserschlauchladen (von dem Parkunfall vor dem Geschäft fange ich gar nicht erst an), dem Einbau der Schläuche, weiteren Einbauten von Kühlschranklüfter und Wasserfilterdruckpumpenkombi, einem erfolglosen Besuch im Camping Store, einem erfolgreichen Besuch im Elektronikladen (die netten Mitarbeiter hatten vorab gemutmaßt, ob es sich bei Marco um den Magier „Marco Miele“ handeln würde, was als Steilvorlage für diverse Witze herhielt), einer Fahrt auf die Autowaage (wir hätten mit mehr Übergewicht gerechnet), dem Einkauf von Kokosziegeln für unser Kompostklo, einem Wäschereibesuch, Holzzuschnitt im Baumarkt, Werkstattsuche und Ölwechsel, Ausleihen einer Krimpzange, HNO-Artztermin … wir werden ja häufiger mal gefragt, was wir denn so den ganzen Tag machen … auch wenn ich diese Frage gar nicht so pauschal beantworten kann, eines steht fest: Es gibt immer was zu tun! Beim HNO-Arzt stellte sich heraus, dass Marco eine verschleppte Halsentzündung hatte und wir sollten eine Woche später (nach Antibiotika-Behandlung) noch einmal zur Nachuntersuchung in die Praxis kommen. Der Doktor gab uns einen Stellplatz-Tipp auf den Chalkidiki und so nutzten wir die Woche für eine letzte Rundfahrt um die Halbinsel Sithonia – dem zweiten Finger der Chalkidiki. Der Tipp vom Doktor entpuppte sich zwar als überlaufener Touristenort, doch wir fanden einige Kilometer weiter südlich den „Secret Paradies Beach“, der vielleicht kein völlig geheimer Ort war (immerhin zeigte uns ein Schild an der Straße den Weg), jedoch mit seiner schnuckeligen kleinen Beach-Bar und den zusammengewürfelten Sitzmöglichkeiten absolut unserem Geschmack entsprach. So konnte Marco zum ersten Mal von einer Strandbar aus arbeiten. Der Rückweg führte uns durch ein verwunschenes und vogelreiches Naturschutzgebiet. Zurück in Thessaloniki wurde Marco vom Doktor für gesund erklärt (außerdem zeigte er uns Drohnenvideos – sein neuestes Hobby) und wir konnten Richtung türkische Grenze aufbrechen.

Unsere letzten Tage in Griechenland waren angenehm mild und wir konnten die heißen Quellen in Loutra Elefheron richtig genießen. Das verlassene Gelände ludt zu einer Entdeckungstour ein. Dann ging es über das Nestos Delta nach Alexandroupolis, wo wir uns für Marcos Arbeitstage an einer prolligen Strandbarmeile niederließen (nicht schön, aber praktisch). Nachdem wir alle Vorkehrungen für den bevorstehenden Grenzübergang erledigt hatten, wollten wir ein letztes Mal in Griechenland klettern gehen und hatten dafür bereits einige Tage zuvor den Sportfels in Avantas ausgecheckt – ein Klettersektor, der laut Website „TheCrag“ im ersten Lockdown 2019 liebevoll eingerichtet worden ist. Es war dort auch mega gemütlich – sogar mit Bänkchen und Hängematte – doch diesmal spielte das Wetter nicht mit. Ein abendfüllendes Gewitter (mit Hagel!) zog auf und am nächsten Mittag mussten wir nach der ersten Route feststellen, dass die Felswand leider immer noch zu nass war. Manchmal macht erhöhtes Risiko eben doch keinen Spaß. Auf den Abschied vom griechischen Kletterfelsen folgte der Abschied von unserem bulgarischen Kuhschädel. Für die folgende Reise wollten wir nicht mehr so auffällig sein, zudem waren wir uns nicht sicher, in welchen Ländern die Kuh als heiliges Tier betrachtet wird. In der Türkei vielleicht?!? 

Nafplio, Korinth, Athen

Mit der ersten Dosis Astrazeneca im Arm fuhren wir Mitte Mai 2021 mit guter Laune von Leonidio nach Nafplio. War ja gar nicht so schlimm, dachten wir. Mitten in der Nacht wurden wir eines Besseren belehrt, denn wir bekamen beide hohes Fieber und lagen den nächsten Tag komplett flach. Als wir wieder einigermaßen fit waren, ging es weiter nach Kranidi, wo wir den Apollo Beach (eine verlassene Hotelanlage) durchforsteten und einen Präventionsbesuch in einer Hautarztpraxis machten. In Kranidi brachten wir außerdem Marcos Arbeitsvertrag zur Post. Seine Bewerbungsgespräche verliefen durchweg positiv und von nun an arbeitet er zwei Tage pro Woche von unterwegs aus. 

Der weitere Roadtrip führte uns über Methana an Hotelruinen, einem dauerhaft geschlossenen Thermalbad und Vulkangestein vorbei. Weiter nördlich trafen wir uns in Korinth mit unseren Reisefreunden Marga und Christian, beobachteten einen Waldbrand aus der Ferne und gingen im Sektor Solomos mit tollem Ausblick auf die Festung Akrokorinth klettern. Auf der Weiterfahrt Richtung Athen gönnten wir uns frittierte Bällchen von einer serbischen Straßenverkäuferin.

Als wir in Athen ankamen, fühlten wir uns sofort wie zu Hause. Natürlich ließen wir uns im alternativen Stadtviertel Exarchia nieder und fanden einen praktischen Stellplatz direkt neben dem Strefi-Hügelpark, der vom höchsten Punkt aus einen tollen Blick auf die Akropolis zu bieten hat. Die nett gemeinte Warnung eines Polizisten, dass wir aufpassen sollten, weil es sich um ein anarchistisches Wohnviertel handele, nahmen wir schmunzelnd zu Kenntnis – schließlich hatten wir uns diesen Bezirk sehr bewusst ausgesucht und waren uns einig, dass wir hier goldrichtig standen. Nach einem Wochenmarktbesuch schlenderten wir durch die Gegend und setzten uns mit Gyros und Bier auf ein Mäuerchen vom dreieckigen Exarchia Platz (auf Google Maps als „Treffpunkt der Gegenkultur“ betitelt), den wir in den folgenden Tagen noch häufiger besuchten, weil dort immer etwas los war. Prompt bekamen wir „Speed oder Souvlaki“ angeboten, lehnten jedoch dankend ab. Mit den Fahrrädern erkundeten wir auch die anderen Viertel, kümmerten uns um einige Erledigungen, fotografierten die Akropolis aus der Ferne und gingen Chinesisch essen. Marco verbrachte seine ersten beiden Arbeitstage mit Schreibisch und Sonnenschutz im Bus. Ich radelte zu IKEA und genoss ein paar Stunden lang klimatisiertes Shopping. Gemeinsam aßen wir am Montagabend „Pizza rolls (not gender roles)“ und stießen am Dienstagabend (nach einer „langen“ Arbeitswoche) mit einem Feierabendbier an. Hoch die Hände, Wochenende! 

Den Rest der Woche drehten wir eine Runde um Athen herum, machten Sport, wurden von Bienen verfolgt, kühlten uns im Meer ab und gingen klettern. Am Sonntag wollten wir in Athen einen neuen Platz zum Arbeiten finden und landeten nach einer dreistündigen Odyssee am Hafen, wo wir überraschenderweise unsere Freundin Lara wiedersahen und einen schönen Abend zusammen verbrachten. Nach zwei angenehmen Arbeitstagen mit Hafendusche und Eiskaffee trafen wir am gleichen Ort Jakob wieder und konnten uns somit von unserem Kumpel auch noch einmal persönlich verabschieden, bevor wir – Anfang Juni 2021 – die endgültige Fahrt Richtung Norden antraten. Mit Übernachtung bei den Thermopylen (abendliches heißes Bad im Naturpool) und Zwischenstop bei einem Schrottplatz (Ersatzteile-Düdo, der uns eine neue Fensterkurbel bescherte) wurden wir auf der Autobahn um etliche Euro Mautgebühren ärmer (denn „zufälligerweise“ war jedes Mal die Ausfahrt direkt vor der Mautstation gesperrt, sodass unwissende Autofahrende keine Chance hatten vorher abzufahren) bis es uns irgendwann zu bunt wurde und wir uns irgendwann einfach einen eigenen Ausweg verschafften… 😀

South-East-Peloponnes

Es war Anfang Mai 2021 und wir waren immer noch in Leonidio. Schon verrückt, wie das kleine Örtchen uns so in seinen Bann ziehen konnte. Aber irgendwie war auch immer etwas zu tun. Wir hatten gerade unsere Möbel fertig lackiert und montiert, da kamen auch schon Jakob und Lara aus Kyparissi zurück, um das griechisch-orthodoxe Osterfest mit uns zu feiern. In Leonidio werden in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag traditionell Papierlaternen in den Himmel steigen gelassen. Dieses Spektakel wollten wir uns nicht entgehen lassen, auch wenn die Kombination aus trockener Natur und brennendem Material sicherlich zu hinterfragen ist (genauso wie wir das Abschießen von Feuerwerksraketen an Silvester kritisch sehen). Während wir im Festtagstrubel begleitet von Glockenläuten durch die geschmückten Gassen von Leonidio liefen und die um uns herum aufsteigenden, leuchtenden Himmelslaternen bestaunten, half Marco beim kontrollierten Auffangen von zwei herabstürzenden Ballons. Am Ostersonntag gab es traditionelles Osterbrot zum Frühstück. Lecker!

Nach dem Osterfrühstück wanderten wir zum Kloster Elonis, das in eine Felswand gebaut worden ist. Der Aufstieg war so schweißtreibend, dass wir uns an dem Wasserhahn vor dem Kloster erstmal eine Erfrischung gönnten. Kurz darauf schaute eine Nonne über die Mauer und rief etwas zu uns herunter. Sind wir etwa zu laut gewesen? Marco und ich gingen die Treppe hoch und da kam sie auch schon mit Obst und den zu Ostern traditionell rotgefärbten Eiern auf uns zu und drückte uns die Verpflegung in die Hand, während sie auf griechisch fröhlich plapperte. Ein Geschenk vom Himmel! Wir teilten unsere Beute mit den anderen und klopften später nochmal an die große Holztür, um einen Blick ins Kloster zu werfen. Prompt wurde uns eine Schüssel mit Süßigkeiten hingehalten. Ein Rollerfahrer aus dem Ort huschte auch gleich mit hinein (er brachte der Dame wohl etwas vorbei) und während wir den Innenhof besichtigten, telefonierte die niedliche Nonne lautstark mit einem Handy. So eine liebe Frau. Sie scheint gut vernetzt zu sein.

Wir wollten ein letztes Mal zu viert klettern gehen, bevor sich unsere Wege vorerst trennen sollten. Unser geliebter „Mini Canyon“ war der perfekte Schattensektor für das mittlerweile heiße Wetter im Mai. Am späten Nachmittag brauchten wir nur die Straße überqueren und schon waren wir am Sektor „Cool at the Pool“ direkt am Meer. Ein Zweierteam konnte hochsteigen, die anderen konnten baden gehen. Leonidio, was bist du doch für ein Kletterparadies! Ein Restaurantbesuch setzte diesem schönen Abschiedstag dann noch die Krone auf, da die Gastronomie in Griechenland nach monatelangem Lockdown endlich wieder öffnen durfte. 

Am nächsten Tag zogen Marco und ich los, um den dritten Finger der südlichen Peloponnes zu erkunden. Nach zweieinhalb Monaten Leonidio verließen wir unsere liebgewonnene Kletterstadt nicht ohne uns noch schnell eine AMKA Nummer beantragt zu haben, die wir für eine COVID-Impfung in Griechenland benötigten. Es war schön wieder unterwegs zu sein. Hier kommt „unser“ Südosten der Peloponnes in Bildern:

Pavlopetri Beach

Petrified Forest

Monemvasia

Klettern am Vlychada Beach

Gerade als wir in Kyparissi ankamen, wo wir eigentlich noch ein paar Tage klettern gehen wollten, bekamen wir die Bestätigung, dass unsere AMKA Nummern erfolgreich registriert worden sind. Da die Impfungen für uns eine persönliche Voraussetzung zum Weiterreisen waren, blieben wir nur auf einen Kletter-Quickie in der süßen Hafenstadt und fuhren erneut zurück nach Leonidio. Zwei Tage später wurden wir mit Astrazeneca geimpft.

Leonidio Climbing Crew

Ein Virus hat zugeschlagen. Das Klettervirus. Es hat uns Ende Februar 2021 eiskalt erwischt als wir nichtsahnend nach Leonidio fuhren, um eigentlich nur ein paar Tage lang unsere Berliner Freunde zu besuchen. Hätten wir geahnt, dass uns dort eine selbstgewählte Kletterquarantäne erwarten würde… okay, wir wären trotzdem hingefahren! Zweieinhalb Monate am Stück wurde Leonidio unser Wahl-Zuhause voller intensiver Erfahrungen. Zu Beginn nahmen Rosi und Fritz (die schon oft in Leonidio waren) uns sozusagen an die Hand. Nach ein paar entspannten Outdoor-Treffen an Stränden und auf diversen Dachterrassen wollten wir den beiden mal beim Klettern zuschauen – und fanden uns plötzlich im Klettersektor „La Maison de Chevre“ am Seil hängend (in „Toprope“) an der Wand wieder. Ich glaube, wir haben es bei unseren ersten Kletterversuchen nicht mehr als zwei Meter den Fels hoch geschafft. Aber es fühlte sich gut und irgendwie aufregend an. Schon waren wir angefixt und entschieden uns wenige Tage später dazu, einen Kletterkurs zu machen. Beim wärmstens empfohlenen weltreisebesten Klettertrainer, der ein Jahr zuvor quasi extra für uns aus Spanien nach Griechenland eingereist ist. Sergi, unser Coach!

Mitte März war es dann soweit und wir starteten unseren 4-tägigen Intensivkurs mit Sergi. Am ersten Tag lernten wir am „Cave of Panagia“ in Toprope das Sichern, Einklippen und den Achterknoten. Danach brauchten wir erstmal einen Tag Pause! Am zweiten Kurstag kletterten wir bei den „Twin Caves“ bereits im Vorstieg, jedoch noch doppelt abgesichert (d.h. mit einem zweiten Seil in Toprope). Am dritten Tag lernten wir im Sektor „Aresos“ das Umbauen und am vierten Tag machten wir in „Kokkinovrachos Main“ unser Kletterdiplom. Miger and Rocky were born! Wir waren super motiviert, deshalb kauften wir uns gleich am nächsten Tag nach dem Intensivkurs (Sergi verabschiedete sich mal eben schnell nach Bosnien zum Bolten) im Panjika Shop eine komplette Kletterausrüstung. Dann waren wir auf uns allein gestellt, zogen los und machten uns mit unserem neuen Equipment vertraut. Ein paar Ziegen leisteten uns Gesellschaft. Die folgenden Tage und Wochen waren wir mit unserem neuen Kletterhobby gut beschäftigt. An den Abenden trafen wir gerne unsere Freunde, grillten zusammen Fisch und schmarotzten hin und wieder eine warme Dusche.

Wir führten die ersten „Office Tage“ ein, um einerseits wieder etwas mehr Struktur in unser Reiseleben zu bekommen und um andererseits auszuprobieren, ob es für uns grundsätzlich möglich (und erwünscht) wäre von unterwegs aus zu arbeiten. Ein „Office Tag“ bedeutete acht Stunden konzentriertes Arbeiten im Bus am Laptop. Pro Woche haben wir zwei solcher Tage durchgezogen. Gegen Monatsende wurde es nochmal richtig kalt und da fiel es nicht schwer, tagsüber bei Schneeregen im geheizten Bus am Laptop zu sitzen. Ob das an schönen Sommertagen auch klappen würde? Einen Tag später strahlte an meinem Geburtstag zum Glück wieder die Sonne und wir konnten sogar in T-Shirts klettern gehen. Abends stießen wir bei Fritz und Rosi auf meinen Geburstag an, Marco bekochte uns. Ich war ganz gerührt von so vielen lieben Glückwünschen und durfte sogar ein Geschenk von unserem gemeinsamen Freundeskreis öffnen. Das war so eine gelungene Überraschung! Dann hieß es langsam Abschied nehmen, denn Rosi und Fritz mussten Anfang April nach Berlin zurück. Wir hatten noch einen richtig lustigen Grillabend am Fokiano Beach und denken gern an die gemeinsame Zeit in Leonidio zurück. Lang blieben wir jedoch nicht allein, denn Jakob kündigte sich an und brachte mit Lara eine neue (und uns auf Anhieb sympathische) Bekanntschaft mit. Die beiden hatten Kletterschuhe dabei. Perfekt, von da an waren wir ein spitzenmäßiges Anfängerteam. 

Nach anfänglichem Aprilwetter mit Regen und Nebel wurde der Monat doch überwiegend sonnig. Im trockenen Flussbett am Meer gründeten wir mit Jakob und Lara eine Outdoor-WG. Gemeinsame Office Tage, Spaziergänge, Lagerfeuer, Stadtbesuche und natürlich jede Menge Kletterausflüge gehörten zum WG-Leben dazu. Vangelis („Tomorrow climbing? After after?“) brachte uns gelegentlich Obst und Gemüse. 

Unser Kletterequipment teilten wir erstmal zu viert bis sich Jakob und Lara nach und nach eigene Ausrüstung besorgten. Lara brachten wir das Sichern bei (und Jakob ihr später auch das Vorstiegsklettern). Marco bekam einen Kletterburnout (oh ja, das Hamsterrad schlägt auch auf Reisen zu), deshalb fingen wir an, uns wieder vermehrt um andere Sachen zu kümmern, bestellten Holz zum Möbelbau und frischten im Krankenhaus Standard-Reiseimpfungen auf.

Irgendwann gegen Ende April verbannte uns die Polizei ganz freundlich aus dem Flussbett („Only parking for 24 hours“ – glücklicherweise hatte sich drei Wochen lang niemand bei uns beschwert). Natürlich folgten wir dieser Aufforderung sofort. In den Klettergebieten war wenig los, so konnten wir sogar ein paar Nächte bei den „Twin Caves“ stehen. Marco und ich holten zum vereinbarten Termin bei der Werkstatt die Holzboxen ab, die unsere neuen Sitzmöbel werden sollten. Es war niemand da (nur der schmusige Wachhund), also riefen wir die angeschriebene Telefonnummer an. Der Tischler erklärte uns, dass die Boxen vor der Tür stehen und wir sie einfach mitnehmen können. Bezahlen sollen wir dann an einem anderen Tag. Cooler Typ. Leider war er bis zum griechischen Osterfest komplett ausgebucht, sonst hätten wir noch mehr bei ihm in Auftrag gegeben. So wechselten wir zur anderen Tischlerei im Ort und ließen uns dort noch eine Schublade anfertigen. Diesmal gerieten wir an einen temperamentvollen Geschäftsmann. Der Holzbau war fertig, die Bretter wollten aber noch lackiert werden. Wir ließen uns von unserer Klettercrew mitreißen und fuhren nach Kyparissi, merkten aber schnell, dass Lackieren auf acht Quadratmetern und gleichzeitige Kletterausflüge nicht funktionierten. Also ging es für die Schleif- und Lackierarbeiten zurück nach Leonidio. Während Marco seine ersten Bewerbungsgespräche per Videocall hatte, freute ich mich über kletterspezifische Yoga-Sessions mit zwei erfahrenen Yoga-Lehrerinnen auf der Dachterrasse nebenan.

Mani Meditation

Ein toller Stellplatz-Tipp von Freunden war Mitte Februar 2021 die Felsenküste kurz vor Areopoli. Küstenromantik trifft Frühlingszauber. Und dennoch wollte bei mir nicht so richtig Stimmung aufkommen. Ich war ziemlich verkopft und Marcos Kommentar („Stell dir mal vor wie schön das hier im Sommer sein wird, dann könnten wir wieder hierhin fahren“) hat bei mir statt Freude eher Frust ausgelöst. Im Sommer immer noch in Griechenland sein?! Ich meine, klar wir sind da in so eine Pandemie reingerutscht. Natürlich kann unsere Reise nicht wie ursprünglich geplant laufen. Und ja, es ist wunderschön in Griechenland. Aber manchmal macht ungewollter Stillstand echt miese Laune. Nach einigen Tränen auf meiner Seite und langen tiefgehenden Gesprächen hat Marco es geschafft mich wieder aufzumuntern. Danke, dass du immer für mich da bist, mein Schatz!

Auch wenn die „große Reise“ nicht weitergeplant werden konnte, wollten wir zumindest die nächsten Wochen ein bisschen durchplanen. Auf dem Baggerhügel bei Kelefa (so haben wir ihn genannt, weil neben uns ein Bagger stand) setzten wir uns mit Laptop und Garmin Navigationsgerät hin und legten gemeinsam unsere nächsten Wegpunkte fest. So eine Auswahl an Zielorten basiert manchmal aufgrund von Recherchen (Wo kann man gut wandern? Was gibt es in der Gegend an Sehenswürdigkeiten? Wo ist der nächste Was-auch-immer?) und manchmal entscheiden wir uns aus dem Bauch heraus (z.B. weil der Ort auf dem Satellitenbild interessant aussieht). Letzteres führt nicht selten zu Überraschungen und manchmal auch in eine Sackgasse. Der Wald auf der Mani war so ein Fall und endete nach wilder Waldfahrt mit einer Übernachtung im Nirgendwo (das rostige Kinderfahrrad neben der Hütte im Wald sah übrigens echt gruselig aus).

Die nächsten beiden (besser durchdachten) Wegpunkte waren Porto Kagio (Tipp von Jürgen, toller Meerblick!) und Kap Tenaro (der südlichste Zipfel der Mani). Auf der Wanderung zum Leuchtturm vom Kap Tenaro begleitete uns ein aufgewecktes Hündchen. Ich liebe es, wenn wir Hundebesuch bekommen! Auch Waldrian bekam Gesellschaft von einem hübschen Düdo. Mit dem sympathischen Besitzerpärchen quatschten wir noch eine ganze Zeit lang auf dem Parkplatz.

Von der Südspitze der Mani fuhren wir die Ostküste des „mittleren Fingers“ hoch und fanden einen traumhaften Stellplatz an einer Kapelle bei Skoutari. Dort blieben wir drei Nächte und machten, was wir halt so machen. Meine persönliche Erkenntnis: Man muss nicht immer etwas tun, manchmal reicht es auch einfach nur zu sein. Bei mir ist in diesen Tagen sehr viel im Kopf passiert, ich habe meine Gelassenheit wiederentdeckt und mich dem Unbekannten bewusst geöffnet. Klingt jetzt irgendwie nach „Ich tanz meinen Namen“, aber am Ende ist es ziemlich simpel: Eine positive Grundeinstellung führt zu positiven Gefühlen.

An Tagen ohne Erwartungen ergeben sich oft die besten Dinge. Aus heiterem Himmel meldet sich Rosi bei mir. Sie ist mit Fritz in Leonidio – also quasi um die Ecke – und es wäre doch toll, wenn wir uns sehen. Pläne sind da, um geändert zu werden. Also verschieben wir die jüngste Routenplanung auf einen späteren Zeitpunkt und fahren auf direktem Weg nach Leonidio, um unsere Freunde zu besuchen. Um es vorweg zu nehmen – wir blieben letztendlich mehr als zwei Monate in Leonidio und lernten dort klettern!

Einen besonderen Zwischenstop auf dem Weg ins Kletterparadies wollten wir uns allerdings nicht entgehen lassen: Das Schiffswrack Dimitrios bei Gythio. Wir hatten schließlich eine Mission: Den Latzhosenmann finden und ihm ein Foto überreichen, das unsere Freunde Patrick und Jenni bei ihrem letzten Griechenlandurlaub von ihm vor dem Schiffswrack gemacht haben. Ankunftstag: Keine Spur von der Latzhose, bei der Hippie-Behausung sind die Schotten dicht. Nächster Morgen: Latzhosentyp spaziert mit Hund vorbei, wir liegen aber noch im Bett. Besuch beim violett gestrichenen Hippie-Haus nach dem Frühstück. Diesmal erfolgreich. Einladung zum Tee bei Joli und Mali am Nachmittag. Mali hat leckeren Kirschkuchen gebacken, wir bestauenen Jolis Handwerkskunst (www.joli-unikatschmuck.com) und führen tolle Gespräche mit den beiden bis in die Abendstunden. Abfahrtstag: Joggen, Stranddusche, Runa schützt das Kröten Biotop (rettet die Kaulquappen!), Luke hilft, Marco recherchiert für unsere Gesundheit, herzlicher Abschied von Joli und Mali, wir bekommen Ableger geschenkt (die Pflanze entwickelt sich seitdem in unserem Cockpit prächtig!) und besichtigen den Buddha-Bus. So eine außergewöhnliche und bereichernde Begegnung. Joli und Mali, wir werden noch oft an euch und eure inspirierenden Geschichten denken!

Februar Frühling

Die vierte Woche am Kalamata Tennis Club brach an. An einem regnerischen Montagmorgen (wir schreiben den 1. Februar 2021) schafften wir den Absprung und verabschiedeten uns von Jakob, der uns einen tollen Stellplatz empfohlen hatte. Auf diesem besagten Hügel bei Kalianeika machten wir es uns für drei Nächte bequem. Ich genoss das immer besser werdende Wetter am Nähtisch draußen, wohingegen Marco gefühlt tagelang drinnen im Bett an seiner Fitnessapp rumprogrammierte. Sportliche Spaziergänge und Sportübungen sorgten für den körperlichen Ausgleich und mit seinem ersten Benchmark Run läutete Marco den Beginn seines regelmäßigen Lauftrainings ein. Am dritten Abend bekamen wir Besuch von einem Schweizer Radreisenden. Wow, ich ziehe meinen imaginären Hut vor Leuten, die „nur“ mit Lastenrad und Zelt unterwegs sind. Näher an der Natur kann man fast gar nicht sein. Da leben wir in unserem Bus im puren Luxus. 

Als das Wetter beständig genug war wollten wir endlich mal wieder wandern gehen. Unser Ziel: Die spektakuläre Rindomo-Schlucht. Zusammen mit Jakob machten wir uns auf den Weg und folgten einem trockenen Flussbett, das anfangs noch flach war und uns später mit einigen Kletterpassagen über große Felsbrocken viel Vergnügen bereitete. Irgendwann rückten die Wände näher und wir fanden uns in der kühlen und dunklen Schlucht wieder. Fasziniert von den Wassertropfen, die rhythmisch auf uns runterrieselten entdeckten wir über uns eine alte Brücke und kamen nur knapp an einem Wasserfall vorbei, der an der engsten Stelle der Schlucht kraftvoll auf den Boden prasselte.

Am nächsten Tag machten wir noch einen Abstecher zu einer Dorfruine. Bei unserer Ankunft im anliegenden Ort erzählte uns ein Einheimischer, dass dort gerade Dreharbeiten stattfinden und wir am besten noch kurz warten sollten. Kurz darauf kamen uns etliche Autos mit dem (teilweise noch verkleideten) Filmteam entgegen. Die Outfits sahen sehr mittelalterlich aus. Im zerfallenen Dorf waren wir dann schließlich fast allein und Marco nutzte die Gelegenheit zum Geocachen.

Auch wenn wir eigentlich schon längst hätten weiterfahren wollen, ging es ein letztes Mal zurück nach Kalamata (home, sweet home), um Jürgen zu verabschieden. Überraschenderweise stellte er uns die hübsche Charly vor. Nein, keine neue Frau an seiner Seite, sondern eine liebenswerte Hündin, in die er sich während seiner ehrenamtlichen Arbeit im Tierheim verliebt hat. Auf Wiedersehen und viel Spaß mit deiner neuen Flamme, lieber Jürgen! Am Ende blieben wir dann doch nochmal eine ganze Woche am Kalamata Tennis Club. Unsere wöchentlichen Highlights waren Lachs mit Teriyaki Sauce, das erste „Videosaufen“ mit unserem Berliner Freundeskreis und Marcos erster 5-Kilometer-Lauf (RESPEKT – vor allem wenn man bedenkt, dass er einen Monat vorher keine 10 Minuten am Stück durchgehalten hat… und mittlerweile läuft er mir beim gemeinsamen Joggen davon!). Am Tag unserer Abfahrt bekamen wir noch Salz geschenkt von einem netten Typen, der in seinem Kurzhauber lebt und eine Badewanne hinten auf seinem Gepäckträger dabei hat. Als der Messertyp vom Elea Beach sich zwischen Jakob und uns stellte, machten wir uns ganz schnell fahrbereit. Goodbye, Kalamata!

Wir waren wieder „on the road“, bestaunten den Foneas Beach und Kataphygi und setzten uns als neues Ziel, die Peloponnes zu umrunden (man braucht ja immer Perspektiven im Leben). Rein zufällig landeten wir nach einer Bergfahrt auf einem Kirchplatz, der so idyllisch aussah, dass wir den Rest des Tages dort bleiben wollten. Es blühte überall (Mitte Februar bitteschön!) und kurz darauf entdeckten wir beim Spazierengehen ein wunderschönes Amphitheater. Die perfekte Kulisse, um den Tag ausklingen zu lassen.

Kalamata Tennis Club

Der Januar 2021 hat Bewegung in unseren Reisealltag gebracht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Jedoch nicht in Form von gefahrenen Kilometern, sondern in Form von sportlicher Aktivität. Dabei hatten wir uns für das neue Jahr gar keine Vorsätze gemacht. Aber der Körper sagt einem ja, was er braucht. Ich startete zunächst mit täglichen Spaziergängen, man soll ja schließlich klein anfangen. Auf dem Berg über Kalamata konnte ich Marco sogar dazu motivieren mitzukommen, aber oftmals spazierte ich in den kommenden Wochen auch allein los. 

Motivation ist im Reisealltag so eine Sache. Ohne geregelten Tagesablauf muss ich mich nunmal selbst motivieren, Dinge zu tun und Aufgaben zu erledigen. Könnte ich ja auch morgen machen. So schön das süße Nichtstun auch ist, wir hatten nach den vielen Feiertagen genug davon und sehnten uns nach Organisation und Struktur in unserem Leben. Sichtbare Erfolge mussten her, also führten wir ein Kanban Board ein, dass seitdem unsere Kühlschranktür ziert. Ein super Tool, um Aufgaben zu visualisieren. Da machen simple Dinge wie „Klo leeren“ doch gleich viel mehr Spaß, wenn danach das Kärtchen von der To-Do-Seite auf die Erledigt-Seite wandern darf.

Wo wir schon beim Thema Klo sind. Eine der eher unliebsamen Aufgaben war es einen neuen Klolüfter zu bestellen, weil unser alter kaputt gegangen ist. Unsere Kompost-Trocken-Trenn-Toilette riecht wirklich gar nicht. Vorausgesetzt der Lüfter läuft. Wenn nicht… naja, ihr könnt euch bestimmt vorstellen, dass wir es mit dieser Bestellung sehr eilig hatten. Bei der Post in Kalamata erfuhren wir, dass unser Paket in Koroni liegt. Also schnell nach Koroni zurückgefahren, Lüfter abgeholt, Gyros im Brot gegessen und ab ins Bett. Morgens fiel uns auf, dass wir am Hafen direkt neben einem ausrangierten Motor standen, der auch in unserem Düdo verbaut worden ist. Rest in peace! Ein ausgedehnter Tagesspaziergang führte uns zu Koroni’s Castle. Wir waren von der Burganlage echt begeistert, da hat sich die Extrafahrt nach Koroni doch gelohnt. 

Wieder in Kalamata angekommen, fanden wir einen praktischen Stellplatz am Meer. Die Schotterfläche hinter einem Tennisplatz war zwar nicht besonders hübsch, aber für ein paar Erledigungen in der Stadt sollte es reichen. Wir mussten Wäsche waschen und planten dafür zwei bis drei Tage ein. Manchmal sind es die unscheinbaren Orte, die einen auf ihre eigene Art und Weise fesseln. Aus drei Tagen wurden drei Wochen. Wir fielen in ein Zeitloch und waren plötzlich am Kalamata Tennis Club zu Hause.

Woche 1 im Schnelldurchlauf: Burgeressen, Zoomdates mit Freunden, Hafenwalks, Wartungsarbeiten am Bus, Kosmetikroutine, Ölwechsel, Baumarktversuch gescheitert, Geschäfte noch geschlossen wegen Lockdown, Wäsche, Werkstatt, Tachowelle, Bremsenprüfstand, Hafendusche, Kofferraum Aufräumaktion, Hausputz, Hecktüren, Paketabholung, Planung der nächsten Tage wegen Kälteeinbruch, fast wären wir aufgebrochen, dann kommt überraschenderweise Jürgen, Wiedersehensfreude, okay bleiben wir halt noch eine Nacht, Jakob kommt auch dazu, Wochenmarkt, Fahrradtour, Blogbeiträge, Motorkram, Weinrunde bei Jürgen.

Woche 2 im Schnelldurchlauf: Geschäfte haben wieder geöffnet, Einkaufstag bei Praktiker, Frühstück in der Stadt (geiler Bäcker), Stadtbummel, Runa geht joggen, Marco repariert den Anlasser, Outdoor/Indoor-Werkstatt, Spaß mit den Strandhunden, die Kölner kommen ebenfalls zu Besuch, Stammrunde bei Jürgen, Marco verliert Kontaktspraydose und bindet Runa in die Suche ein, Busauseinandernehmen, Sitzgelegenheitenplanungsaktion, Joggen, kurzes Meerbad, warme Dusche, Regentag, Marco werkelt, Runa näht.

Woche 3 im Schnelldurchlauf: Fahrradtouren, Smartwatch bestellt, die ultimative Motivation für Marco auch mitzujoggen, erster gemeinsamer Lauf mit Schwierigkeiten, Wäscherei, Paketabholung, Ersatzteil für die Anlasserreparatur ist da, Sonne, Regen, Regenbogen, Anlasser läuft, wir sind wieder fahrbereit, Testfahrt, Wasserholen, Behmes Apfelkuchen, Haarschneidetag, zweites Mal gemeinsam joggen gehen lief besser, Katzenbesuch, Smartwatch ist da, Watchface Programmierung, Wochenmarkt, Schilderwald, Weinabend mit J&J.

Beste Feste 20/21

Der Jahreswechsel von 2020 auf 2021 hatte für uns in Griechenland ein Highlight nach dem anderen zu bieten. Dank mehrwöchigem Quarantäne-Camp im November am Elea Beach, konnten wir mit unserer Wahlfamilie auch im Dezember und Januar die Reisegemeinschaft (RG) bedenkenlos fortführen. Zwischenzeitlich wurde unsere RG zu einer WG und später sogar zu einem Co-Working-Space. Dann fusionierten wir wieder zu einer SG (Strandgemeinschaft) bis sich unsere Wege vorerst trennten, um an einem anderen Strand wieder zusammenzufinden. Aber ich fange mal lieber von vorne an.

Kurz vor Weihnachten befanden wir uns auf dem Jakobsweg. Naja, mit dem Jakob auf dem Weg… also unterwegs mit Jakob… nennen wir es einfach „Jakob’s Reisen“. Gemeinsam erkundeten wir eine Kapelle zwischen Olivenhainen, kochten unser Lieblingsmoussaka, begleiteten Jakob per Walkie-Talkie bei einer Wanderung (genau, Marco und ich sind an dem Nachmittag faul im Bus geblieben), folgten Jakob in wilder Fahrt auf einen Berg hinauf und stiegen dort oben in ein verlassenes Kloster ein (naja, also es gab einen Hintereingang und ja, die Gebeine, die wir dort fanden, jagten uns einen gehörigen Schrecken ein).

Nun stand Weihnachten kurz vor der Tür. Unser erstes Weihnachten weit weg von unseren Familien. Ich habe richtig doll Heimweh bekommen (da halfen auch keine Schnapspralinen mehr), freute mich auf der anderen Seite aber auch auf das Abenteuer „Weihnachten am Strand“. Was hilft gegen Heimweh? Eine gewohnte Umgebung (zurück zum Elea Beach, check!), im Kreise gewaltig netter Menschen (Wiedersehen mit unserer Lockdown-Truppe, check!) und zu Weihnachten natürlich ganz gewöhnliche Weihnachtstraditionen (Weihnachtsbaum, Weihnachtslieder, Weihnachtsessen, check!). Das Ganze bei Sonnenschein und einer Außentemperatur von 21 Grad, großartig!

Und schwupps, war Weihnachten auch schon wieder vorbei. Kurzer Abschied (man sieht sich ja sowieso bald wieder) und ab zum nächsten Abenteuer – Wandern im Regenschauer („Walking in the rain“). Das erste Drittel von der Wandertour war noch ganz lustig, aber irgendwann wurde es neutral bis unangenehm. Von den Neda Wasserfällen haben wir nur das kleine, eher unspektakuläre Wasserfällchen gesehen und erst auf dem Rückweg gerafft, dass es eigentlich noch einen großen Wasserfall gibt. Nächstes Mal vielleicht. Dank Standheizung konnten wir immerhin unsere Klamotten trocknen und spätestens als uns auf der Weiterfahrt ein Hundewelpe entgegenkam, den wir mit Futter versorgten, hatte ich wieder gute Laune. Aus dem Cockpit heraus sah das Regenwetter sogar ziemlich romantisch aus und bei unserer Ankunft in Koroni strahlte der Himmel endlich wieder blau.

Von einem Fest zum nächsten. Silvester war für uns etwas Besonderes, denn die Kölner luden uns und den Rest unserer Lockdown-Familie (zumindest der Teil, der noch in Griechenland war) in ein Ferienhäuschen ein. Nach einem Dreivierteljahr Busleben fühlten sich vier Wände (vier „echte“ Wände) irgendwie merkwürdig an, aber irgendwie auch gut. Von der warmen Dusche will ich gar nicht erst sprechen. Waldrian wurde zum privaten Schlafzimmer mit Meerblick und die große Wohnküche zum geselligen Treffpunkt unserer Reise-WG. Bereits am ersten Abend mit Rotwein und Scotch am wärmenden Kamin wurde es richtig heimelig. Am Silvesternachmittag traf auch der Rest unserer kleinen Truppe ein und wir feierten das vergangene Jahr mit einem üppigen Silvesterbüffet. Auf das neue Jahr stießen wir gleich zweimal an – einmal zur griechischen Zeit und noch einmal (eine Stunde später) zur deutschen Zeit.

Leicht verkatert, dennoch tiefenentspannt wachten wir am Neujahrstag bei schönstem Wetter auf. Eine gemeinsame Wanderung am Nachmittag brachte unseren Kreislauf in Schwung und die Reste von Silvester verspeisten wir zum Sonnenuntergang auf der Terrasse. Ein gemütliches Lagerfeuer bildete den krönenden Abschluss vom ersten Tag des Jahres. Willkommen 2021. Die folgenden Tage lebten wir ein ruhiges, harmonisches WG-Leben mit Spaziergängen, Spielrunden, Kochabenden, Laptoparbeiten im „Co-Working-Space“ und dem einen oder anderen Gläschen Aperol Spritz (Resteverwertung von Silvester). Tausend Dank an unsere lieben Gastgebenden für diese tolle Ferienwoche.

Man soll die Feste feiern wie sie fallen. Und zufälligerweise fielen die Geburtstage von J&J (Jakob und Jürgen) beide auf Anfang Januar. Also gleich zwei gute Gründe zum Anstoßen. Jamas! Bei unserer Ankunft am Vorabend verbuddelten wir uns direkt im Sand, sodass wir die erste Nacht in Schräglage schliefen. Gar kein Problem. Am nächsten Morgen nutzte Marco das Rausschaufeln als Frühsport. J&J waren so lieb und luden die Reise-WG nicht nur zu Kaffee und Geburtstagskuchen, sondern auch zu einem extrem leckeren Abendessen mit Grillgemüse und griechischen Köstlichkeiten ein. Ein Hoch auf die Geburtstagskinder. Nach so viel Programm und Feierei fuhren wir erstmal allein weiter. Doch es sollte nicht der letzte Strand gewesen sein, an dem wir unsere lieben Freunde noch treffen würden.

Corona-konformes Reisen

Nach der Ebbe kommt die Flut, nach der Ruhe kommt der Sturm, nach dem Lockdown ist vor dem Lockdown bzw. hört er gar nicht erst auf. Was tun? Im Dezember 2020 hatten wir nach knapp 5 Wochen Stillstand genug vom Elea Beach und wir brauchten dringend einen Tapetenwechsel. Also bauten wir unser Camp ab, machten Waldrian wieder mobil, schnappten uns unsere Mitbewohner Jürgen & Jakob (aka J&J) und fuhren im Konvoi zur Ochsenbauchbucht (auch Ochsendingsbucht genannt). 

Was soll ich sagen. Selbst bei Regenwetter war die Ochsenbauchbucht am Voidokilia Beach ein faszinierender Ort und wir konnten uns dort ein paar Tage mit ausgiebigen Spaziergängen und Wanderungen beschäftigen. Ich lasse mal die Bilder für mich sprechen (das Aussortieren fiel mir schwer, deshalb sind es hier ein paar mehr Fotos geworden).

Der Regen hörte nicht auf, so wurde es Zeit weiterzuziehen. Wir fuhren zum Wäschewaschen nach Pylos, aßen dort zwei oder drei Mal Gyros im Fladenbrot zum Mitnehmen (nach mehrwöchiger Fleischabstinenz ein Hochgenuss), fuhren als Reisegruppe im Konvoi weiter nach Methoni, flanierten um die Burg herum, besuchten Lockdownfreunde in Finikounda, steckten mal kurzzeitig in matschigen Pisten fest und wanderten an steilen Felsküsten entlang.

Endlich ließ sich auch wieder die Sonne blicken, was Marco und mich dazu bewegte auf eigene Faust weiterzufahren. Unsere Reisefreunde wollten wir spätestens zu Weihnachten wiedersehen. Doch erstmal genossen wir ein paar Tage in wundervoller Zweisamkeit.

Beim Wandern blieben wir jedoch nicht lange zu zweit. Zwar lief uns in den Bergdörfern kaum eine Menschenseele über den Weg, aber dafür hatten wir sehr viel Spaß mit tierischen Begleitern.

An einer Kapelle bei den Polylimnio Wasserfällen begegnete uns sogar eine Schildkröte. Die Abende verbrachten wir zusammen mit dem Känguru. Welches Känguru – fragt ihr euch? Na, DAS Känguru. Überzeugter Kommunist und Mitbewohner von Marc-Uwe Kling. Nach so viel tierischer Unterhaltung freuten wir uns dann aber doch darüber, dass Jakob bei den Wasserfällen wieder zu uns stieß. Und so verbrachten wir die Tage kurz vor Weihnachten zu dritt.

Lockdown Camp

Plötzlich stand die Welt für uns still. Der Elea Beach wurde im gesamten November 2020 und zu großen Teilen auch im Folgemonat unser permanentes Zuhause. Wie fühlt sich so ein Lockdown in Griechenland an? In den ersten Wochen ziemlich aufregend, schließlich war das für alle „Gestrandeten“ eine neue Situation. In den weiteren Wochen und Monaten folgten für uns auch ernüchternde Momente und weniger spektakuläre Zeiten. Der Lockdown hat bis heute das Land fest im Griff, auch wenn einige Maßnahmen inzwischen gelockert worden sind. Dennoch können wir uns mit den landesweiten Einschränkungen gut arrangieren und sind unglaublich dankbar darüber, so viel Zeit bei mildem Klima in der Natur verbringen zu dürfen.

Aber zurück zum Elea Beach, unserer temporären Wahlheimat. Ein ganz besonderer Ort mit scheinbar endlosem Sandstrand, Pinienwäldern, Wiesenflächen, Dünen und klarem Meerwasser. Ein Ort, den es zu schützen gilt. Die meiste Zeit im Jahr bietet der Platz sogar eine kleine Infrastruktur mit Trinkwasser, Outdoor-Dusche, Gemüsestand und Brötchenlieferwagen. Nicht zuletzt lebt der Ort von der Gemeinschaft und einer spannenden Dynamik, die entsteht, wenn Reisende auf Dauercamper und Einheimische treffen. Elea Beach, du hast uns verrückt gemacht mit deinen speziellen Charakteren und Beziehungskisten, mit Buschfunk und Gerüchten, die in die Welt gesetzt wurden. Ich könnte stundenlang Geschichten darüber schreiben, was alles passiert ist, wer was erzählt hat, wie das miteinander zusammenhängt, wieso, weshalb, warum. Aber das würde definitiv den Rahmen sprengen. Außerdem wären das reine Spekulationen meinerseits. Und überhaupt möchte ich an dieser Stelle so unpersönlich wie möglich bleiben. Ist ja schließlich das Internet hier.

Um euch trotzdem einen amüsanten Einblick in unseren Lockdown-Alltag zu gestatten, bleibe ich bei den nachfolgenden Ausführungen stichpunktartig und abstrakt.

Ganz besonders ins Herz geschlossen (mit 2 Meter Mindestabstand natürlich) haben wir unsere Elea Gang: Die Mädels, J&J, das Blaubärpärchen, das Bullipärchen, die Kölner und (last but not least) unsere tierischen Freunde Rosi, Struppi und Jamas.

Zentrale Nebenrollen haben gespielt: Der Gemüseverkäufer, der Brötchenmann, die Hundelady, der Präsident und alle „Friends of the beach and the forest“, die Polen mit ihrem Kater, ein Pole mit einer Machete (aka „der Messertyp“), ein paar Engländer und Franzosen, die Prollogruppe, die Katzenfamilie, der Weihnachtsmann. 

Highlights der Woche 1: Quarantäne-Einkauf, Polizeidrohnen, Turtle-Geschichte, Camp-Aufbau (Steingarten, Lampen, Schachbrett, Tetraederpyramide), Kölner Karneval, Arabisches Dinner.

Highlights der Woche 2: Pfannkuchen, Vogelbeerdigung (R.I.P.), Walkie Talkies, reifer Pfirsich, Shakshuka Battle, Fernsehteam, TV-Interview, Krisenmeeting, Hundefutter.

Highlights der Woche 3: Schlagermusik, Wassermanipulation, SUP Board, Crêpes, Gemeinschaftsdinner mit Gitarre und Singen, Bananenpancakes, Räucherstunde, Einkaufsfahrt.

Highlights der Woche 4: Sehr viele Katzen, Wanderung, Bootswrack, Tornadosonnenuntergang, Basalt-Schnaps, Paketlieferung, Müsli-Revolution, Schaukel, Thermalquelle, Kaifal See.

Unsere „All-Time Favorites“ (in alphabetischer Reihenfolge): Aperol Spritz, Backen, Baden, Basteln, Beachvolleyball, Buskram, Gesellschaftsspiele (u.a. Halt mal kurz, Secret Hitler, Werwolf und Wizard), Kaffee und Kuchen, Kochen, Lagerfeuer, Laptopkram, Nähen, Sonnenuntergangfotos, Yoga.

Diesen Lifestyle haben wir knapp 5 Wochen am Stück „durchgehalten“. Eine lustige Zeit, dank unserer zusammengewürfelten Quarantäne-Familie. Eine lehrreiche Zeit, weil wir nicht vom Reisen „abgelenkt“ waren, sondern uns oft, lange und ausführlich mit uns selber beschäftigen durften. Eine unvergessliche Zeit, die meine positive Grundeinstellung gestärkt hat und mich mit deutlich mehr Gelassenheit auf unsere künftige Reise (inklusive Phasen des Stillstands) blicken lässt.

Ab in den Süden.

Wie Corona unser Reisetempo beschleunigte – ein Rückblick auf unsere ersten Wochen in Griechenland. Wir überlegten gerade auf dem mittleren Finger „Sithonia“ der Chalkidiki Halbinsel wandern zu gehen, als wir von der veränderten Situation in Thessaloniki hörten. Dort sollte es bereits einen Mini-Lockdown geben, weshalb wir unsere Pläne für den nördlichen Teil von Griechenland vorerst über den Haufen warfen und die Entscheidung trafen, ganz schnell in den Süden zu fahren (…“schnell“ ist bei unserem Tempo natürlich relativ). Wir wollten verhindern, dass ein landesweiter Lockdown uns einholt und wir im kalten Norden des Landes steckenbleiben. So ging es nach einer knappen Woche Chalkidiki auch schon zurück nach Thessaloniki, wo wir eine romantische Nacht auf dem Parkplatz von Goody’s Burger House gegenüber von IKEA verbrachten. Wir kamen nicht umhin uns Burger und Pommes zum Mitnehmen zu bestellen und verspeisten unser Candle Light Dinner im Bus. Es ist so unglaublich schön, das eigene Zuhause immer dabei zu haben. Selbst die Parkplatzrowdies, die nachts um 1 ihre Reifen auf dem freien Platz quietschen ließen, störten uns nicht. Ganz im Gegenteil genieße ich es auf der Reise immer mehr, ein Zuhause zu haben, das uns ständig an neue, spannende Orte führt und uns immer wieder andere, facettenreiche Ausblicke schenkt.

Es war Anfang November als wir den Weg Richtung Süden antraten. Wir fuhren die Ostküste entlang und suchten uns zum Übernachten einfach immer spontan einen Strand aus, der gerade in der Nähe war. Es reihten sich ein paar Fahrtage aneinander, doch wir nahmen uns auch genug Zeit zwischendurch zum Baden, Sport machen, Kochen (unten auf dem Bild: Griechischer Bohneneintopf). Marco holte an einem Tag sogar die Angel raus, machte jedoch keinen Fang. Manchmal schauten wir abends einen Film. Als wir am Olymp vorbeikamen, spielte das Wetter leider nicht mit, um den Berg zu besteigen. Also beschlossen wir stattdessen in Pilio wandern zu gehen und den Olymp auf das Frühjahr zu verlegen (wir werden ja noch eine Weile in Griechenland sein). Doch auch die Wanderpläne in Pilio mussten wir kurze Zeit später sausen lassen, da sich die Lage im gesamten Land zuspitzte und die „Lockdown Zone“ immer größer wurde.

Eine Nachmittagspause bei den Thermopylen gönnten wir uns trotzdem und hatten im Naturpool von den heißen Thermalquellen einen Riesenspaß. Endlich kam auch mal die Unterwasserfunktion von unserer Kompaktkamera zum Einsatz. Irgendwann bekamen wir Besuch von einer Familie aus dem Flüchtlingscamp von nebenan. Nach einigen Kommunikationsversuchen schafften wir es mithilfe von Sprachfetzen uns zu verständigen, zu lachen und zu scherzen. Ein unvergesslicher Nachmittag und durch diese Begegnung eine Erinnerung, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Durch die Fahrt zu den Thermopylen hatten wir es ins Landesinnere geschafft. Nach unendlichen Küstenstraßen war das eine willkommene Abwechslung für uns. Wir lieben Berglandschaften und können uns an Felsen und Steinen nicht satt sehen. Da wir in Griechenland zu dem Zeitpunkt noch nicht so viele Reisende kennengelernt hatten, freuten wir uns außerdem sehr, dass wir an unserem nächtlichen Stellplatz nicht allein blieben. Birgit und Claus gesellten sich mit ihrem Magirus-Deutz (ein beeindruckendes Reisemobil) zu uns und luden uns netterweise auf ein (paar) Gläschen Wein ein. Unser Kater am nächsten Morgen verriet uns, dass es ein paar Gläschen mehr waren. Wir ließen den Tag daher langsam angehen und ich setzte mich gemütlich mit dem Feldstecher in die Sonne und beobachtete aus der Ferne einige Hirtenhunde beim Ziegenhüten. 

Ein genaues Ziel für die Wintermonate hatten wir noch nicht. Klar war nur, dass wir den Winter auf der Peloponnes – das ist die handförmige Halbinsel im Süden des griechischen Festlands – verbringen wollten. Die Peloponnes kann über den Landweg entweder nördlich bei Patras oder östlich bei Korinth befahren werden. Wir entschieden uns für Patras, da wir somit den östlichen Corona-Hotspot um Athen herum vermeiden konnten. Beide Wege führten an Delphi vorbei. Die antike Ruinenstadt war perfekt für einen Nachmittagsausflug. Das dachten sich wohl auch Birgit und Claus, die wir auf dem Parkplatz wiedertrafen.

Wir hatten Glück, dass das Ausgrabungsgelände von Delphi, welches sich über 300 Höhenmeter am Hang erstreckt, für Besucher (natürlich mit Maskenpflicht) noch geöffnet war. Gleich zu Beginn zeigte uns ein netter Herr, der dort häufiger zu Besuch war, das Orakel. Die Weissagungsstätte befand sich seiner Angabe nach an einem (eher unscheinbaren) Stein, den wir ohne seine Hilfe sicherlich nicht wahrgenommen hätten. Der Apollontempel und das Theater hingegen bilden das Zentrum der antiken Stadt und waren nicht zu übersehen. Ein stimmungsvoller Ort zum Verweilen. Am höchsten Punkt vom Gelände erreichten wir nach einem sportlichen Fußmarsch das Stadion von Delphi. 

Völlig geflasht von der geschichtsträchtigen Atmosphäre und der mystischen Landschaft fuhren wir zum Übernachten runter an die Küste und freuten uns über eine funktionierende Stranddusche. Dann wurde es ernst. Es war Donnerstag und der landesweite Lockdown wurde offiziell für Samstag, den 8. November 2020, ausgerufen. So aufgeregt war ich schon lange nicht mehr. Würden wir einen guten Stellplatz finden? Wir mussten davon ausgehen, wochenlang auf einem Fleck zu verweilen – also das genaue Gegenteil von unserem bisherigen Reisealltag. Neben Zugang zu Wasser und Lebensmitteln bestand unsere größter Wunsch darin, einen Ort zu finden, an dem wir nicht völlig vereinsamen werden. In den letzten Monaten hatten wir genug Plätze ganz für uns allein. Wir recherchierten und fragten bei unseren Reisebekanntschaften nach. Es gab mehrere Tipps, aber ein Ort hat uns ganz besonders neugierig gemacht: Elea Beach bei Kyparissia. Nach einer beinahe schlaflosen Nacht (ja, so aufgeregt war ich) und einer Morgendusche ging es los. Auf nach Elea!

Dass es für uns an die Westküste der Peloponnes ging, passte mit unserem Plan über Patras zu fahren prima überein. Statt der Autobrücke für 15 Euro wählten wir die Fähre für 11 Euro, um auf die Halbinsel zu kommen. Sehr zu empfehlen und Waldrian war ja inzwischen im Fährefahren schon geübt. In Patras haben wir den Nachmittag im Waschsalon verbracht. Einen Teil der Wäsche hängten wir ausnahmsweise im Bus auf, zu dem Zeitpunkt waren wir Trocknern gegenüber noch skeptisch (teilweise zurecht wie wir kürzlich feststellen mussten). Den restlichen Tag verbrachten wir am Steuer (150 Kilometer sind bei unserem Schneckentempo verdammt viel Strecke) und als die Dunkelheit bereits eingebrochen war rollten wir im Schritt-Tempo in den Pinienwald am Elea Beach.

Nicht wissend, was uns erwartet, waren wir auf alles gefasst. Wir dachten uns, entweder treffen wir auf gähnende Leere oder aber die Hölle ist los. Leise knirschten unsere Reifen über den dunklen Waldweg. Ab uns zu erblickten wir einzelne Wohnmobile, die zwischen den Bäumen versteckt standen und wie verlassen wirkten. Irgenwie gruselig. Ich fragte mich schon, ob wir hier richtig sind. Doch dann erblickten wir eine Freifläche und konnten unser Glück kaum fassen. Ein kleines Camp mit einem Mix aus bunten, alten Bussen lag vor uns und sah so einladend aus, dass wir sofort wussten: Hier bleiben wir. Vor einem der Busse saß eine kleine Gruppe, der wir uns prompt mit einem Gläschen Wein anschlossen und für den Abend sehr nett in Empfang genommen wurden. Oh, ja. Wir waren angekommen. 

Stadt, Strand, Griechenland.

Wie die Zeit vergeht. Vor drei Monaten sind wir in Griechenland angekommen mit dem erklärten Ziel, hier den gesamten Winter zu verbringen (was bisher auch echt verdammt gut klappt). Vor mehr als einem halben Jahr startete unsere Reise mit ausgiebigen Familienbesuchen in Deutschland und der Schweiz. Seitdem sind wir über Italien, Slowenien, Ungarn, Serbien und Bulgarien gefahren – bis wir schließlich gegen Ende Oktober die griechische Grenze erreicht haben. Vom reibungslosen Grenzübergang hatte ich ja schon im letzten Blogbeitrag berichtet. Ein paar hundert Meter hinter der Grenze zettelte Marco jedoch eine Diskussion über die Mautgebühren mit der Mitarbeiterin an der Schranke an (es ging ums Prinzip, da aufgrund von Corona nur ein einziger Grenzübergang geöffnet war und wir somit gezwungen waren ein kurzes Stück über die mautpflichtige Autobahn zu fahren bevor die erste Ausfahrt kam). Irgendwann habe ich die Maut gezahlt. Das wiederum hatte zur Folge, dass Marco und ich die nächsten paar Kilometer damit verbrachten, über unsere Meinungsverschiedenheit zu diskutieren. Wie anstrengend. Manchmal möchte ich solchen Diskussionen lieber aus dem Weg gehen. Klappt nur so schlecht in unserem 1-Raum-Fahrzeug mit acht Quadratmetern Wohnfläche. So wird die Reise zu einer ständigen Paartherapie, was zwar nicht immer angenehm ist, aber langfristig betrachtet durchaus positive Auswirkungen hat. Wir lernen im Umgang miteinander achtsam zu sein, die Wünsche des anderen zu respektieren, aber auch auf die eigenen Bedürfnisse zu hören. Und das lernen wir am besten, wenn wir miteinander reden. In diesem Fall über Mautgebühren und Prinzipien.

Das Stadtleben zog uns mal wieder magisch an. Also fuhren wir direkt nach Thessaloniki und verbrachten unseren ersten Abend in Griechenland auf einem asphaltierten Parkplatz mit Meerblick, worüber ich mich echt gefreut habe. Mir war zu dem Zeitpunkt noch nicht klar, dass es in Griechenland schon eher eine Besonderheit ist, wenn man mal nicht zufällig direkt am Meer steht (ich freue mich trotzdem jedes Mal wieder erneut darüber, einen schönen Spot mit Blick aufs Meer zu erwischen – Waldrians Panorama Fenster sei Dank).

Die folgenden Tage in Thessaloniki waren wir mit Erledigungen in der Stadt beschäftigt. Mit den Fahrrädern fuhren wir etliche Baumärkte, Gartencenter, Tierhandlungen und Headshops (ja, richtig gelesen) an, denn wir brauchten neue Kokosziegeln für unser Kompostklo. Bei der Zoohandlung „Feeders“, die sich auf Reptilien und Terrarien spezialisiert, wurden wir schließlich fündig.

Wir wechselten noch einmal den Stellplatz und machten es uns auf einer Wiese am Wasser in Hafennähe gemütlich. Bei schönstem Wetter besichtigten wir ein altes Kriegsschiff, das als Museumsschiff im Hafen liegt, gingen Eis essen und drehten eine weitere Runde durch die Innenstadt.