Yin und Yang

Unser erster Eindruck von Bulgarien (Ende September 2020): Neblig, ruppig, schön. Ruppig im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Straßenqualität (die in Serbien bereits schlimm war) nahm rapide ab. In Slivnitsa brauchten wir erstmal eine Pause, die wir zum Geldabheben und Döneressen nutzten. Überraschenderweise wurde die Straße kurz darauf wieder richtig gut, weshalb wir am gleichen Tag noch bis Sofia durchfuhren. In Sofia wollten wir sowieso etwas länger verweilen, da uns ein lieber Freund viele gute Tipps aus seiner Heimatstadt gegeben hat. Unsere erste Anlaufstelle war jedoch erstmal der Praktiker Baumarkt. Der Parkplatz dort war so praktisch, dass wir gleich zwei Nächte blieben und einen Hartgammeltag im Bus bei Dauerregen eingelegt haben. Darf auch mal sein. 

Am Sonntag schien wieder die Sonne, perfekt um die Stadt zu entdecken. Ganz in der Nähe vom Zentrum haben wir eine super Parklücke in einer wenig befahrenen Straße neben dem sogenannten Hundepark erwischt. Auf unserer Radtour durch den Park (der uns stark an den „Görli“ erinnerte) haben wir uns sofort wie zu Hause gefühlt. Ich denke, wir waren von Sofia auch deshalb total begeistert, weil sich mal wieder dieses Berlin-Gefühl bei uns eingestellt hat. Nachmittags haben wir in absoluter Wohlfühlatmosphäre („The Apartment“ – welch tolle Empfehlung!) Schach gespielt. Der Tag war so schön, dass wir schon richtig Lust auf die folgenden Tage bekommen haben. Doch unsere Radfahrt am nächsten Morgen mussten wir nach der ersten Etappe abbrechen, weil es Marco auf einmal immer schlechter ging. Er wurde tatsächlich krank und bekam immer höheres Fieber. Den Rest der Woche war für ihn Bettruhe angesagt. Nach zwei Tagen heftigem Fieber wurde es ab Mittwoch langsam besser, somit blieb uns der Gang ins Krankenhaus zum Glück erspart. Dennoch blieb Marco die gesamte Woche im Bett liegen. Ich habe mich derweil mit Lebensmitteleinkäufen, Spaziergängen, Yoga, Lesen und Laptopkram beschäftigt. Das Wetter war ziemlich wechselhaft, umso mehr habe ich den Park direkt neben unserer Bustür genossen, sobald sich die Sonne hat blicken lassen. Mal abgesehen von Marcos Krankheit hat uns die Woche „Zwangspause“ aber richtig gut getan. Reisen kann nämlich auch ganz schön anstrengend sein, wenn man (wie wir bis zu dem Zeitpunkt) immer nur ein bis maximal zwei Nächte an ein und demselben Ort bleibt. Am Hundepark standen wir insgesamt acht Nächte. Eine echte Höchstleistung für uns.

Als die Krankheit weitestgehend überstanden war, haben wir noch für zwei Tage einen Campingplatz in Sofia angesteuert, um dort Wäsche zu waschen, warm zu duschen, Strom zu zapfen, Wasser aufzufüllen und mit dem Internet nicht sparsam zu sein (die üblichen Verdächtigen halt). Dann hatten wir aber wirklich genug vom Rumgammeln. Leider kündigten sich ein paar Tage Dauerregen an, also schnell raus aus der Stadt (Sofia, wir kommen wieder!) und rein in die herbstliche Regenfahrt. 

Auch wenn wir nicht genug Zeit für das komplette Land hatten (es war inzwischen bereits Oktober und das Wetter zog uns immer deutlicher Richtung Süden), so wollten wir zumindest eine kleine Runde durch Bulgarien drehen. Wir hätten jedoch niemals gedacht, in den folgenden Tagen auf so viele Highlights zu treffen. Da war zum Beispiel die Überraschungsfahrt zu einem UFO-ähnlichen Monument, das eigentlich ein kommunistisches Denkmal darstellt und auf einer Bergspitze steht. Überraschungsfahrt deshalb, weil Marco gar nicht wusste, was ihn erwartet (ich hatte dieses Ziel ausgesucht) und weil Regen und Nebel immer dichter wurden, je höher wir den Berg hinauf fuhren. Der Ausflug war geheimnisvoll und gruselig zugleich. Die Nacht dort oben haben wir bei Außentemperaturen von 4 Grad dank Heizung gut überstanden, auch wenn der Wind extrem laut war und Waldrian davon ordentlich durchgeschüttelt wurde.

Unten im Tal wurde das Wetter besser und 150 Kilometer später fanden wir uns in einer Traumlandschaft wieder. Diesmal hatte Marco mich mit dem Ausflugsziel überrascht: Die Felsenstadt Perperikon. Einfach unbeschreiblich. Wir sind stundenlang durch die Ruinenstadt gelaufen, haben so viel entdeckt und die besondere Stimmung auf uns wirken lassen. Abends auf dem Parkplatz habe ich mich über einen Schnupie gefreut, der die Nacht zusammengerollt vor unserem Bus geschlafen hat.

Wow, das waren jetzt erst zwei von den angekündigten Highlights (die nächsten folgenden bald). Bulgarien, du ruppig schönes Land. Du zeigst uns, wie vielseitig unsere Reise sein kann. Mal Sonne, mal Wolken. Mal Regen, Wind und Nebel. Ausruhen, aufstehen, loslaufen. Egal, ob im T-Shirt oder mit Regenmantel. Auf Ruhe folgt Sturm – und unsere Reise lebt von genau diesen Gegensätzen.

Ein Gedanke zu „Yin und Yang“

  1. Willkommen im neuen Jahr 🎉
    Auf das euch weiterhin solch wunderbare, eindrucksvolle, atemberaubende und einfach schöne Erlebnisse begegnen ☄
    Alles Liebe für euch 💖

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.