Nafplio, Korinth, Athen

Mit der ersten Dosis Astrazeneca im Arm fuhren wir Mitte Mai 2021 mit guter Laune von Leonidio nach Nafplio. War ja gar nicht so schlimm, dachten wir. Mitten in der Nacht wurden wir eines Besseren belehrt, denn wir bekamen beide hohes Fieber und lagen den nächsten Tag komplett flach. Als wir wieder einigermaßen fit waren, ging es weiter nach Kranidi, wo wir den Apollo Beach (eine verlassene Hotelanlage) durchforsteten und einen Präventionsbesuch in einer Hautarztpraxis machten. In Kranidi brachten wir außerdem Marcos Arbeitsvertrag zur Post. Seine Bewerbungsgespräche verliefen durchweg positiv und von nun an arbeitet er zwei Tage pro Woche von unterwegs aus. 

Der weitere Roadtrip führte uns über Methana an Hotelruinen, einem dauerhaft geschlossenen Thermalbad und Vulkangestein vorbei. Weiter nördlich trafen wir uns in Korinth mit unseren Reisefreunden Marga und Christian, beobachteten einen Waldbrand aus der Ferne und gingen im Sektor Solomos mit tollem Ausblick auf die Festung Akrokorinth klettern. Auf der Weiterfahrt Richtung Athen gönnten wir uns frittierte Bällchen von einer serbischen Straßenverkäuferin.

Als wir in Athen ankamen, fühlten wir uns sofort wie zu Hause. Natürlich ließen wir uns im alternativen Stadtviertel Exarchia nieder und fanden einen praktischen Stellplatz direkt neben dem Strefi-Hügelpark, der vom höchsten Punkt aus einen tollen Blick auf die Akropolis zu bieten hat. Die nett gemeinte Warnung eines Polizisten, dass wir aufpassen sollten, weil es sich um ein anarchistisches Wohnviertel handele, nahmen wir schmunzelnd zu Kenntnis – schließlich hatten wir uns diesen Bezirk sehr bewusst ausgesucht und waren uns einig, dass wir hier goldrichtig standen. Nach einem Wochenmarktbesuch schlenderten wir durch die Gegend und setzten uns mit Gyros und Bier auf ein Mäuerchen vom dreieckigen Exarchia Platz (auf Google Maps als „Treffpunkt der Gegenkultur“ betitelt), den wir in den folgenden Tagen noch häufiger besuchten, weil dort immer etwas los war. Prompt bekamen wir „Speed oder Souvlaki“ angeboten, lehnten jedoch dankend ab. Mit den Fahrrädern erkundeten wir auch die anderen Viertel, kümmerten uns um einige Erledigungen, fotografierten die Akropolis aus der Ferne und gingen Chinesisch essen. Marco verbrachte seine ersten beiden Arbeitstage mit Schreibisch und Sonnenschutz im Bus. Ich radelte zu IKEA und genoss ein paar Stunden lang klimatisiertes Shopping. Gemeinsam aßen wir am Montagabend „Pizza rolls (not gender roles)“ und stießen am Dienstagabend (nach einer „langen“ Arbeitswoche) mit einem Feierabendbier an. Hoch die Hände, Wochenende! 

Den Rest der Woche drehten wir eine Runde um Athen herum, machten Sport, wurden von Bienen verfolgt, kühlten uns im Meer ab und gingen klettern. Am Sonntag wollten wir in Athen einen neuen Platz zum Arbeiten finden und landeten nach einer dreistündigen Odyssee am Hafen, wo wir überraschenderweise unsere Freundin Lara wiedersahen und einen schönen Abend zusammen verbrachten. Nach zwei angenehmen Arbeitstagen mit Hafendusche und Eiskaffee trafen wir am gleichen Ort Jakob wieder und konnten uns somit von unserem Kumpel auch noch einmal persönlich verabschieden, bevor wir – Anfang Juni 2021 – die endgültige Fahrt Richtung Norden antraten. Mit Übernachtung bei den Thermopylen (abendliches heißes Bad im Naturpool) und Zwischenstop bei einem Schrottplatz (Ersatzteile-Düdo, der uns eine neue Fensterkurbel bescherte) wurden wir auf der Autobahn um etliche Euro Mautgebühren ärmer (denn „zufälligerweise“ war jedes Mal die Ausfahrt direkt vor der Mautstation gesperrt, sodass unwissende Autofahrende keine Chance hatten vorher abzufahren) bis es uns irgendwann zu bunt wurde und wir uns irgendwann einfach einen eigenen Ausweg verschafften… 😀

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