Goodbye, Greece!

Unsere Weltreise geht endlich weiter. Beinahe hätten wir nicht mehr daran geglaubt. Ganze acht Monate haben wir in Griechenland verbracht. Haben das Land geliebt und verflucht. Haben einen großen Teil der Corona-Krise in einsamen Buchten und an traumhaften Stränden verbracht. Haben dem Wetter getrotzt und jede einzelne Nacht in unserem Bus geschlafen. Dieser Blog-Beitrag wird der letzte aus Griechenland sein und ich bin mehr als gespannt in welchen Ländern dieser Welt wir die nächsten acht Monate (und mehr) herumfahren werden.

Auf dem Weg Richtung Norden wollten wir uns die Meteora Klöster nicht entgehen lassen. Wir hatten Touristenmassen erwartet, doch es war um die Felsformationen herum erstaunlich ruhig und wir begegneten nur wenigen Leuten. Da es Anfang Juni 2021 schon knackig heiß war, freuten wir uns auf einen Campingplatz mit Pool, in den wir sofort nach unserer Ankunft hinein hüpften und der uns auch am nächsten Tag nach einer langen Wanderung die perfekte Abkühlung bot. Die Klosterrunde um die Felsen von Meteora zählt definitiv zu meinen persönlichen Wander-Highlights aus Griechenland. 

Gut ausgepowert vom Wandern fuhren wir den Tag darauf bis nach Thessaloniki durch, wo wir uns auf unseren altbekannten Hafenplatz stellten. Nach ein paar Gläsern Weißwein im Hafenrestaurant schmiedeten wir Pläne für unsere Weiterreise. In Richtung Asien war zu dem Zeitpunkt die Türkei über den Landweg leider die einzige Option (alle anderen Länder waren aufgrund von Corona geschlossen) und ich hatte mal den Wunsch geäußert, den Hochsommer nicht in der Türkei verbringen zu „müssen“. Eigentlich wollten wir deshalb auch schon im April in die Türkei fahren, doch dann kam uns irgendwie die Sache mit dem Klettern „dazwischen“ – und jetzt hatten wir bereits Juni. Bei meiner Recherche nach Reiseländer-Alternativen stieß ich auf Kasachstan. Das sonst visumfrei zu bereisende Land hatte zwar seit der Pandemie die Visumfreiheit aufgehoben, doch falls wir ein Visum bekämen, dann könnten wir mit einem Transit durch Russland nach Kasachstan einreisen und würden somit einen gewaltigen Schritt weiter nach Osten kommen. Von meiner Idee total angetan plante Marco noch am selben Abend (halb betrunken) die darauf basierende Route bis in die Mongolei mit Überwinterung in Usbekistan. So schnell können Reisepläne wieder an Fahrt gewinnen. An den Arbeitstagen von Marco (zwecks Internetverbindung mussten wir auf den IKEA Parkplatz wechseln) kümmerten wir uns nebenbei um diverse Visumsanfragen und waren schon ganz aufgeregt. Die Ernüchterung folgte als wir von mehreren Stellen die Absage erhielten. Kasachstan würde bis zum Ende des Jahres keine Touristenvisa erteilen. Mist, da hatten wir uns wohl zu früh gefreut, wie schade. Trotzdem war es sehr schön festzustellen, dass unsere Reiselust nicht verflogen war und dass wir – sobald sich Möglichkeiten öffnen – sehr schnell in der Lage waren zu planen und alles Notwendige zu organisieren. Und immerhin: Bei unserer Kasachstan-Recherche fanden wir heraus, dass Georgien seine Grenzen auf dem Landweg ein paar Tage zuvor seit über einem Jahr endlich wieder geöffnet hat. Also neuer Plan: Durch die Türkei ab nach Georgien (und da sind wir inzwischen auch gelandet)! Passend zu dem Reisechaos ist übrigens auch noch unser Wasserhahn undicht geworden und die Wasserleitungen haben sich aufgebläht, weshalb unser Bus mehrere Tage lang einer Baustelle glich, bis wir alle Teile für die Neuinstallation zusammen hatten. Wenn Chaos, dann richtig.

Es vergingen noch etliche Tage in Thessaloniki mit mehreren Besuchen im Wasserschlauchladen (von dem Parkunfall vor dem Geschäft fange ich gar nicht erst an), dem Einbau der Schläuche, weiteren Einbauten von Kühlschranklüfter und Wasserfilterdruckpumpenkombi, einem erfolglosen Besuch im Camping Store, einem erfolgreichen Besuch im Elektronikladen (die netten Mitarbeiter hatten vorab gemutmaßt, ob es sich bei Marco um den Magier „Marco Miele“ handeln würde, was als Steilvorlage für diverse Witze herhielt), einer Fahrt auf die Autowaage (wir hätten mit mehr Übergewicht gerechnet), dem Einkauf von Kokosziegeln für unser Kompostklo, einem Wäschereibesuch, Holzzuschnitt im Baumarkt, Werkstattsuche und Ölwechsel, Ausleihen einer Krimpzange, HNO-Artztermin … wir werden ja häufiger mal gefragt, was wir denn so den ganzen Tag machen … auch wenn ich diese Frage gar nicht so pauschal beantworten kann, eines steht fest: Es gibt immer was zu tun! Beim HNO-Arzt stellte sich heraus, dass Marco eine verschleppte Halsentzündung hatte und wir sollten eine Woche später (nach Antibiotika-Behandlung) noch einmal zur Nachuntersuchung in die Praxis kommen. Der Doktor gab uns einen Stellplatz-Tipp auf den Chalkidiki und so nutzten wir die Woche für eine letzte Rundfahrt um die Halbinsel Sithonia – dem zweiten Finger der Chalkidiki. Der Tipp vom Doktor entpuppte sich zwar als überlaufener Touristenort, doch wir fanden einige Kilometer weiter südlich den „Secret Paradies Beach“, der vielleicht kein völlig geheimer Ort war (immerhin zeigte uns ein Schild an der Straße den Weg), jedoch mit seiner schnuckeligen kleinen Beach-Bar und den zusammengewürfelten Sitzmöglichkeiten absolut unserem Geschmack entsprach. So konnte Marco zum ersten Mal von einer Strandbar aus arbeiten. Der Rückweg führte uns durch ein verwunschenes und vogelreiches Naturschutzgebiet. Zurück in Thessaloniki wurde Marco vom Doktor für gesund erklärt (außerdem zeigte er uns Drohnenvideos – sein neuestes Hobby) und wir konnten Richtung türkische Grenze aufbrechen.

Unsere letzten Tage in Griechenland waren angenehm mild und wir konnten die heißen Quellen in Loutra Elefheron richtig genießen. Das verlassene Gelände ludt zu einer Entdeckungstour ein. Dann ging es über das Nestos Delta nach Alexandroupolis, wo wir uns für Marcos Arbeitstage an einer prolligen Strandbarmeile niederließen (nicht schön, aber praktisch). Nachdem wir alle Vorkehrungen für den bevorstehenden Grenzübergang erledigt hatten, wollten wir ein letztes Mal in Griechenland klettern gehen und hatten dafür bereits einige Tage zuvor den Sportfels in Avantas ausgecheckt – ein Klettersektor, der laut Website „TheCrag“ im ersten Lockdown 2019 liebevoll eingerichtet worden ist. Es war dort auch mega gemütlich – sogar mit Bänkchen und Hängematte – doch diesmal spielte das Wetter nicht mit. Ein abendfüllendes Gewitter (mit Hagel!) zog auf und am nächsten Mittag mussten wir nach der ersten Route feststellen, dass die Felswand leider immer noch zu nass war. Manchmal macht erhöhtes Risiko eben doch keinen Spaß. Auf den Abschied vom griechischen Kletterfelsen folgte der Abschied von unserem bulgarischen Kuhschädel. Für die folgende Reise wollten wir nicht mehr so auffällig sein, zudem waren wir uns nicht sicher, in welchen Ländern die Kuh als heiliges Tier betrachtet wird. In der Türkei vielleicht?!? 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.