Ab in den Süden.

Wie Corona unser Reisetempo beschleunigte – ein Rückblick auf unsere ersten Wochen in Griechenland. Wir überlegten gerade auf dem mittleren Finger „Sithonia“ der Chalkidiki Halbinsel wandern zu gehen, als wir von der veränderten Situation in Thessaloniki hörten. Dort sollte es bereits einen Mini-Lockdown geben, weshalb wir unsere Pläne für den nördlichen Teil von Griechenland vorerst über den Haufen warfen und die Entscheidung trafen, ganz schnell in den Süden zu fahren (…“schnell“ ist bei unserem Tempo natürlich relativ). Wir wollten verhindern, dass ein landesweiter Lockdown uns einholt und wir im kalten Norden des Landes steckenbleiben. So ging es nach einer knappen Woche Chalkidiki auch schon zurück nach Thessaloniki, wo wir eine romantische Nacht auf dem Parkplatz von Goody’s Burger House gegenüber von IKEA verbrachten. Wir kamen nicht umhin uns Burger und Pommes zum Mitnehmen zu bestellen und verspeisten unser Candle Light Dinner im Bus. Es ist so unglaublich schön, das eigene Zuhause immer dabei zu haben. Selbst die Parkplatzrowdies, die nachts um 1 ihre Reifen auf dem freien Platz quietschen ließen, störten uns nicht. Ganz im Gegenteil genieße ich es auf der Reise immer mehr, ein Zuhause zu haben, das uns ständig an neue, spannende Orte führt und uns immer wieder andere, facettenreiche Ausblicke schenkt.

Es war Anfang November als wir den Weg Richtung Süden antraten. Wir fuhren die Ostküste entlang und suchten uns zum Übernachten einfach immer spontan einen Strand aus, der gerade in der Nähe war. Es reihten sich ein paar Fahrtage aneinander, doch wir nahmen uns auch genug Zeit zwischendurch zum Baden, Sport machen, Kochen (unten auf dem Bild: Griechischer Bohneneintopf). Marco holte an einem Tag sogar die Angel raus, machte jedoch keinen Fang. Manchmal schauten wir abends einen Film. Als wir am Olymp vorbeikamen, spielte das Wetter leider nicht mit, um den Berg zu besteigen. Also beschlossen wir stattdessen in Pilio wandern zu gehen und den Olymp auf das Frühjahr zu verlegen (wir werden ja noch eine Weile in Griechenland sein). Doch auch die Wanderpläne in Pilio mussten wir kurze Zeit später sausen lassen, da sich die Lage im gesamten Land zuspitzte und die „Lockdown Zone“ immer größer wurde.

Eine Nachmittagspause bei den Thermopylen gönnten wir uns trotzdem und hatten im Naturpool von den heißen Thermalquellen einen Riesenspaß. Endlich kam auch mal die Unterwasserfunktion von unserer Kompaktkamera zum Einsatz. Irgendwann bekamen wir Besuch von einer Familie aus dem Flüchtlingscamp von nebenan. Nach einigen Kommunikationsversuchen schafften wir es mithilfe von Sprachfetzen uns zu verständigen, zu lachen und zu scherzen. Ein unvergesslicher Nachmittag und durch diese Begegnung eine Erinnerung, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Durch die Fahrt zu den Thermopylen hatten wir es ins Landesinnere geschafft. Nach unendlichen Küstenstraßen war das eine willkommene Abwechslung für uns. Wir lieben Berglandschaften und können uns an Felsen und Steinen nicht satt sehen. Da wir in Griechenland zu dem Zeitpunkt noch nicht so viele Reisende kennengelernt hatten, freuten wir uns außerdem sehr, dass wir an unserem nächtlichen Stellplatz nicht allein blieben. Birgit und Claus gesellten sich mit ihrem Magirus-Deutz (ein beeindruckendes Reisemobil) zu uns und luden uns netterweise auf ein (paar) Gläschen Wein ein. Unser Kater am nächsten Morgen verriet uns, dass es ein paar Gläschen mehr waren. Wir ließen den Tag daher langsam angehen und ich setzte mich gemütlich mit dem Feldstecher in die Sonne und beobachtete aus der Ferne einige Hirtenhunde beim Ziegenhüten. 

Ein genaues Ziel für die Wintermonate hatten wir noch nicht. Klar war nur, dass wir den Winter auf der Peloponnes – das ist die handförmige Halbinsel im Süden des griechischen Festlands – verbringen wollten. Die Peloponnes kann über den Landweg entweder nördlich bei Patras oder östlich bei Korinth befahren werden. Wir entschieden uns für Patras, da wir somit den östlichen Corona-Hotspot um Athen herum vermeiden konnten. Beide Wege führten an Delphi vorbei. Die antike Ruinenstadt war perfekt für einen Nachmittagsausflug. Das dachten sich wohl auch Birgit und Claus, die wir auf dem Parkplatz wiedertrafen.

Wir hatten Glück, dass das Ausgrabungsgelände von Delphi, welches sich über 300 Höhenmeter am Hang erstreckt, für Besucher (natürlich mit Maskenpflicht) noch geöffnet war. Gleich zu Beginn zeigte uns ein netter Herr, der dort häufiger zu Besuch war, das Orakel. Die Weissagungsstätte befand sich seiner Angabe nach an einem (eher unscheinbaren) Stein, den wir ohne seine Hilfe sicherlich nicht wahrgenommen hätten. Der Apollontempel und das Theater hingegen bilden das Zentrum der antiken Stadt und waren nicht zu übersehen. Ein stimmungsvoller Ort zum Verweilen. Am höchsten Punkt vom Gelände erreichten wir nach einem sportlichen Fußmarsch das Stadion von Delphi. 

Völlig geflasht von der geschichtsträchtigen Atmosphäre und der mystischen Landschaft fuhren wir zum Übernachten runter an die Küste und freuten uns über eine funktionierende Stranddusche. Dann wurde es ernst. Es war Donnerstag und der landesweite Lockdown wurde offiziell für Samstag, den 8. November 2020, ausgerufen. So aufgeregt war ich schon lange nicht mehr. Würden wir einen guten Stellplatz finden? Wir mussten davon ausgehen, wochenlang auf einem Fleck zu verweilen – also das genaue Gegenteil von unserem bisherigen Reisealltag. Neben Zugang zu Wasser und Lebensmitteln bestand unsere größter Wunsch darin, einen Ort zu finden, an dem wir nicht völlig vereinsamen werden. In den letzten Monaten hatten wir genug Plätze ganz für uns allein. Wir recherchierten und fragten bei unseren Reisebekanntschaften nach. Es gab mehrere Tipps, aber ein Ort hat uns ganz besonders neugierig gemacht: Elea Beach bei Kyparissia. Nach einer beinahe schlaflosen Nacht (ja, so aufgeregt war ich) und einer Morgendusche ging es los. Auf nach Elea!

Dass es für uns an die Westküste der Peloponnes ging, passte mit unserem Plan über Patras zu fahren prima überein. Statt der Autobrücke für 15 Euro wählten wir die Fähre für 11 Euro, um auf die Halbinsel zu kommen. Sehr zu empfehlen und Waldrian war ja inzwischen im Fährefahren schon geübt. In Patras haben wir den Nachmittag im Waschsalon verbracht. Einen Teil der Wäsche hängten wir ausnahmsweise im Bus auf, zu dem Zeitpunkt waren wir Trocknern gegenüber noch skeptisch (teilweise zurecht wie wir kürzlich feststellen mussten). Den restlichen Tag verbrachten wir am Steuer (150 Kilometer sind bei unserem Schneckentempo verdammt viel Strecke) und als die Dunkelheit bereits eingebrochen war rollten wir im Schritt-Tempo in den Pinienwald am Elea Beach.

Nicht wissend, was uns erwartet, waren wir auf alles gefasst. Wir dachten uns, entweder treffen wir auf gähnende Leere oder aber die Hölle ist los. Leise knirschten unsere Reifen über den dunklen Waldweg. Ab uns zu erblickten wir einzelne Wohnmobile, die zwischen den Bäumen versteckt standen und wie verlassen wirkten. Irgenwie gruselig. Ich fragte mich schon, ob wir hier richtig sind. Doch dann erblickten wir eine Freifläche und konnten unser Glück kaum fassen. Ein kleines Camp mit einem Mix aus bunten, alten Bussen lag vor uns und sah so einladend aus, dass wir sofort wussten: Hier bleiben wir. Vor einem der Busse saß eine kleine Gruppe, der wir uns prompt mit einem Gläschen Wein anschlossen und für den Abend sehr nett in Empfang genommen wurden. Oh, ja. Wir waren angekommen. 

2 Gedanken zu „Ab in den Süden.“

  1. Was für zauberhafte Fotos! Einige davon wahrlich mit Gänsehaut-Charakter . Und wieder einmal ein großes Dankeschön an euch dass ihr uns auf die Reise mitnehmt. 😗

  2. Und wieder ein Beitrag um selbst vom Reisen zu Träumen *-* Es freut mich, dass ihr die Zeit (meistens) geniessen könnt! Weiterhin viel Spass und ich lese immer wieder gerne in eurem Blog 🙂

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